Party Like A Rockstar – Der große Gatsby und Der große Gatsby

Der große Gatsby (2013) (c) Warner Bros.

Der große Gatsby (2013)
(c) Warner Bros.

So langsam macht sich auch bei mir ein kleines Sommerloch bemerkbar, was natürlich mit den heißen Temperaturen zu tun hat, die mich immer wieder vom Computer und aus dem Kino weglocken. Aber dennoch gibt es Filme, die sich auch in dieser kinofeindlichen Jahreszeit besonders gut genießen lassen. Dazu zählt für mich in jedem Fall die Geschichte des mysteriösen Partylöwen Gatsby, der erst kürzlich wieder in unseren Kinos zu sehen gewesen ist. Von daher hinke ich mit meiner Review etwas hinterher – man sehe es mir nach. Dafür überspringe ich aber auch die ausführliche Darstellung von Handlung und Geschehen und widme ich mich direkt zwei Gatsbys im direkten Vergleich.

Ich habe mir im Vorfeld des Kinostarts im Mai die Mühe gemacht und die berühmt-berüchtigte Verfilmung des Gesellschaftsromanes von F. Scott Fitzgerald aus dem Jahr 1974 ebenfalls einer Sichtung unterzogen. Nachdem sich so ziemlich jede Kritik, die ich zu Baz Luhrmanns Version vorab gelesen hatte, mit Robert Redford (Der Clou) und seinem Gatsby befasst hatte, fühlte ich mich dazu veranlasst, diesen auch gleich mit anzusehen. Die Vergleiche von Redford und Leonardo DiCaprio (Blood Diamond) wollte ich einfach selber überprüfen. Die Adaption des Regisseurs Jack Clayton ist tatsächlich sehr sehenswert und ich kann inzwischen auch nachvollziehen, warum sich so viele Rezensenten zu einem Vergleich haben hinreißen lassen. Denn das von Francis Ford Coppola verfasste Drehbuch bringt die Handlung um den Partymillionär Gatsby dramaturgisch eindrucksvoll auf die Leinwand, aber die Figuren selbst sind 40 Jahre später fast nicht wieder zuerkennen. Zumindest das tragische Liebespaar Gatsby und Daisy hat in den beiden Versionen sehr unterschiedliche Dynamiken, was vor allem den schauspielerischen Leistungen anzurechnen ist. Robert Redfords Gatsby ist bedeutend zurückhaltender und damit auch geheimnisvoller als der Gatsby des 21. Jahrhundert. Der Charme des Lebemannes, der Gatsby aber eben auch ist, wird von Leonardo DiCaprio viel stärker verkörpert. Grundsätzlich erlaubt Luhrmann seiner Hauptfigur ein ganz anderes Maß an Emotionalität. Redford wurde dagegen die Gefühlskälte seines Gatsbys nicht selten vorgehalten. Es darf aber dabei auch nicht unbemerkt bleiben, dass sich die Figur der Daisy von Clayton zu Luhrmann ebenso sehr gewandelt hat. Mia Farrow (Rosemarys Baby) hat die Daisy der 70ziger Jahre mit einer Überschwänglichkeit ausgestattet, wogegen Carey Mulligan (Drive) ihrer Daisy sehr melancholische Charakterzüge verleiht. Ich persönlich finde diese Beobachtungen sehr spannend, denn sie zeigen doch auch die bestechende Vielschichtigkeit von Fitzgeralds Romanhelden.

Der große Gatsby (1974) (c) Paramount Pictures

Der große Gatsby (1974)
(c) Paramount Pictures

Ein weiter Aspekt der den direkten Vergleich der beiden Literaturverfilmungen sehr interessant macht, ist natürlich die Inszenierung des Gesellschaftsbildes. Nicht nur die Dynamik des Protagonistenpaares hat sich über die Jahre deutlich gewandelt, sondern auch die zeitgeschichtliche Kulisse der goldenen 20ziger Jahre wurde von beiden Regisseuren sehr unterschiedlich dargestellt. Baz Luhrmann hat den Akzent dabei besonders auf die ausschweifenden Partys gesetzt, die er in rauschenden Farben und langen Kamerafahrten in Szene gesetzt hat. Noch dazu hat er sich beinahe vollständig von dem röhrenden Jazz-Sound verabschiedet und das Ganze mit dem donnernden Bass des 21. Jahrhundert unterlegt. Bedauerlicherweise sind die Exzesse der Unterprivilegierten genauso so schillernd wie die Partys der Reichen, was den Kontrast zwischen Elend und Schönheit ziemlich verwischt. Diese Grenze macht Jack Clayton in seiner Inszenierung dafür umso deutlicher, als dass er sein Stadtbild insgesamt schmutziger und schwüler zeichnet. Ausstattung und Kostüme haben in beiden Versionen einen jeweils hohen Stellenwert eingenommen. Es entsteht aber durchaus der Eindruck, dass Baz Luhrmann alles ein wenig zu sehr auf Hochglanz poliert hat. Zumindest hat mich die Tristesse von Jack Claytons New York deutlich mehr Anteil an dem Schicksal der Stadtbewohner nehmen lassen.

Wie man vielleicht herauslesen konnte, hat mir die Sichtung und Gegenüberstellung der beiden Literaturverfilmungen überraschend viel Freude bereitet. Deshalb möchte ich hiermit auch die Empfehlung weitergeben, es mir gleich zu tun. Denn obwohl man meinen könnte, es brauche nicht noch eine Gatsby-Verfilmung, muss ich doch zugeben, dass es vielleicht noch nicht genug gibt. Zumindest wenn sie immer so gut sind.

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Ein Kommentar

  1. Ich finde es auch immer spannend, verschiedene Adaptionen eines Stoffes zu vergleichen, da man dabei auch sieht, welchen Einfluss die Gegenwart auf die Verfilmung hat. Für mich war Carey Mulligan eine überraschend gute Daisy, gerade weil sie die düstere Seite mehr betont hat.

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