Forever Young – Almost Famous und Project X

Almost Famous (c) Sony Pictures

Almost Famous
(c) Sony Pictures

Zu keiner anderen Zeit im Jahr fühlt man sich so alt wie im Sommer. Denn sobald sich die Schultüren schließen, strömen die jungen Menschen auf die Straße und genießen ihre Freiheit. In ihrer Sorglosigkeit machen sie die Nacht zum Tag und umgekehrt. Exzessives Feiern wechselt sich ab mit ebenso exzessivem Müßiggang. Ein Zustand, in den sich jeder Angestellte gerne hin und wieder zurück versetzen würde. Beamen wir uns also für gut 200 Minuten zurück in eine Lebensphase, in der Musik und Geschlechtsverkehr die höchste Priorität besessen haben.

Welches Berufsziel verfolgen vermutlich 80% aller Jugendlichen? Richtig, Musiker. Heute haben wir dafür allerhand peinliche Castingshows, aber auch schon in den 70ziger Jahren konnte Musik lebensverändernd sein. Niemand weiß das wohl so gut wie Regisseur Cameron Crowe, der selber mit den Allman Brothers auf Tour gegangen ist und für den Rolling Stone geschrieben hat. Insofern ist sein Film Almost Famous (2000) auch in jeder Hinsicht autobiographisch angehaucht. Darin erzählt er die Geschichte des 15-jährigen William Miller (Patrick Fugit), dessen Traum von Journalismus und Rockmusik unverhofft wahr wird, als er die Gelegenheit bekommt die Band Stillwater auf Tour zu begleiten. Crowe hat also eindeutig seine eigene Jugend in diesem Film verarbeitet, weshalb Almost Famous vielleicht auch so großartig geworden ist. Denn es ist nicht nur der Blick hinter die Rock’n’Roll-Kulissen, der die Handlung spannend macht, sondern es ist besonders die Fülle an liebenswerten Charakteren, die den Zuschauer vollkommen in ihren Bann ziehen. Kate Hudson konnte nie wieder so eine Glanzleistung abliefern wie in ihrer Rolle des Stillwater-Groupies Penny Lane, die dem  jungen William beibringt, was es heißt, für die Musik zu leben. Aber auch Nebenfiguren wie Williams überfürsorgliche Mutter und der exzentrische Musikjournalist Lester Bangs bleiben dank Frances McDormand (Fargo) und Philip Seymour Hoffman (Der Krieg des Charlie Wilson) im Gedächtnis hängen. In Almost Famous wird der Traum von Sex, Drugs and Rock’n’Roll von Cameron Crowe hinterfragt, ohne ihn dabei komplett zu dekonstruieren. Stattdessen feiert er die 3:50 Minuten eines Songs, in denen sich irgendwo der Sinn des Lebens versteckt.

Project X (c) Warner Bros.

Project X
(c) Warner Bros.

Feiern ist auch das Stichwort für Project X (2012). Wir landen wieder in den heutigen USA und dort wird erstmal kein tieferer Lebenssinn mehr gesucht. Die Jugend in dem Erstlingswerk von Nima Nourizadeh hat andere Sorgen. Die Freunde Thomas (Thomas Mann), Costa (Oliver Cooper) und JB (Jonathan Daniel Brown) haben es sich zum Ziel gesetzt die coolste Party aller Zeiten zu schmeißen. Natürlich gelingt es ihnen auch. Der Film ist im Stil des Found Footage gedreht, so dass es den Anschein hat das Kinopublikum sieht ein von den Jungs selbst gedrehtes Video, in dem sie ihr Party-Projekt festgehalten haben. Genauso wie in den bekannten Horror-Vorgängern dieses Filmgenres Blair Witch Project und Paranormal Activity trägt die Pseudo-Authentizität enorm zum Charme des Filmes bei. Natürlich ist die Sprache vulgär, eine Handlung nicht vorhanden und der Humor sehr primitiv. Aber so sieht ein Homevideo von Pubertierenden nun mal aus. Denn so poetisch die Jugend bei Cameron Crowe auch sein mag, verliert auch diese auf einer guten Party jeglichen Sinn und Verstand. Wer sich auf meine Filmauswahl trotz des vermeintlichen Niveauabfalls einlässt, wird mehr Gemeinsamkeiten finden als ihm vielleicht lieb ist. Nourizadeh kostet im Prinzip etwas aus, was Crowe nur in kurzen Impressionen anschneidet. Trotz der vielen nackten Brüste und weißen Pillen muss man Project X eins zugute halten: Kein anderer Film spielt so gekonnt mit der amerikanischen Angst vor einer richtig guten Party. Wer also kein Problem mit einer wackeligen Handkamera hat und nach den Riffs von The Who auch noch den Beats von Eminem etwas abgewinnen kann, sollte dem Film eine Chance geben.

Ein abschließender Hinweis muss noch erlaubt sein: Ich spreche auch eine unbedingte Kaufempfehlung für die Soundtracks beider Filme aus. Je nachdem welchen Musikstil man bevorzugt, sind die CDs in jedem Fall sehr hörenswert. Gute Musik ist ohnehin die beste Medizin um jung zu bleiben.

[Wer Interesse daran hat, die Filme käuflich zu erwerben und damit gleichzeitig Frag das Kino… zu unterstützen, kann mit einem Klick auf die Bilder die Dvds über amazon bestellen. Ich sage vielmals Danke dafür!]
Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

Ein Kommentar

  1. Eine tolle Idee, die beiden Filmen hier zusammenzufassen. „Project X“ rechne ich weiterhin an, dass er niemals vorgibt, mehr zu sein als ein nihilistischer Party-Film. An „Almout Famous“ kann ich mir noch vage erinnern, das ist einfach zu lange her.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: