Run The World – J.Edgar und Die eiserne Lady

(c) Warner Bros.

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Vor der diesjährigen Oscar-Verleihung hatte ich noch etwas nachzuholen, und zwar die Siegerfilme aus dem Vorjahr. Bis zum Beginn der nächtlichen Übertragung kann man das ja auch wunderbar tun. Allerdings ist es nicht bei den ursprünglich anvisierten Siegerfilmen geblieben, sondern neben einer Gewinnerin habe ich mir stattdessen den Verlierer des letzten Jahres dazugeholt. Möglicherweise war auf der Oscarbühne einfach nicht genug Platz für zwei Alpha-Tierchen.

Ich lasse hier mal dem Mann den Vortritt, denn immerhin durfte er vergangenes Jahr keinen Goldmann mit nach Hause nehmen – er wurde nicht einmal dafür nominiert. Nachdem ich das jüngste Regiewerk von Clint Eastwood nun gesehen habe, kann ich erst recht nicht verstehen, wie J. Edgar (2011) so vollkommen von der Academy übergangen werden konnte. Es hat ohnehin erstaunlich lange gedauert bis das bewegte Leben des FBI-Gründers J. Edgar Hoover seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat, wenn man bedenkt wie einflussreich dieser Mann in der Geschichte der USA gewesen ist. 48 Jahre leitete Hoover das Federal Bureau of Investigations durch die mitunter schwierigsten Phasen der amerikanischen Historie. Perfekter Stoff fürs Kino, sollte man meinen. Nur leider ist J. Edgar Hoover einfach keine unterhaltsame Persönlichkeit. Der Mythos um seine Person wird von Eastwood zwar wunderbar aufgegriffen und aus verschiedenen Blickwinkel betrachtet: Der Zuschauer erlebt Hoover nicht nur als verbissenen Akteur in der Weltgeschichte, sondern auch als Muttersöhnchen und Liebeskranken. Leonardo DiCaprio ehrt seine Hauptrolle zudem mit einem durch und durch souveränen Auftritt, der absolut oscarreif ist. Dennoch muss der Versuch, den karrieregeilen Verbrecherjäger Hoover mit neuen menschlichen Zügen darzustellen, als gescheitert betrachtet werden. Der Verzicht auf den Nachnamen im Filmtitel ändert daran auch nichts. Vielleicht legt Eastwood mit seinen dunklen Bildern dafür aber auch einen zu mystischen Schleier über das Leinwandgeschehen, um einem J. Edgar Hoover die fehlende Herzenswärme zu verleihen. Nichtsdestotrotz ein handwerklich absolut gelungenes Biopic.

(c) Concorde

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Der Sprung über den großen Teich führt nun zu einer hierzulande so viel diskutierten Frau in Führungsposition: Mit dem Titel Die eiserne Lady (2011) ist natürlich Margaret Thatcher gemeint, die legendäre Premierministerin des Vereinigten Königreiches. Meryl Streep durfte für diese Rolle ihren dritten Goldjungen entgegennehmen und ihn dieses Jahr schließlich an Daniel Day-Lewis (alias Lincoln) überreichen. Von Staatsoberhaupt zu Staatsoberhaupt sozusagen. Ebenso wie bei J.Edgar entwickelt sich der Film als Rückblick der alternden Thatcher auf ihr Leben. Der große Unterschied hierbei besteht allerdings in der Art und Weise, wie sich diese Erinnerungen zusammensetzen. Die einstige Grand Dame der Inselnation hat nämlich zu ihrem Lebensende den Glanz alter Tage abgelegt und leidet an Demenz. Der Zuschauer erinnert sich mit ihr an das Leben einer Kämpferin, Ehefrau und Mutter, das mit der alten und verwirrten Frau der Gegenwart scheinbar so wenig verbindet. Es ist nicht nur ein Film über die große Margaret Thatcher und ihrer Errungenschaften, sondern es ist vielmehr auch ein Film über das Danach. Über die Performance von Streep braucht es keiner Worte mehr; sie ist einfach wunderbar. Viel lieber möchte ich die ausgewogene Erzählstruktur dieses Biopics loben, bei dem weder die historischen Eckdaten noch die beteiligten Persönlichkeiten zu kurz kommen. Und noch viel lieber möchte ich ausdrücklich auf Jim Broadbent hinweisen, der in seiner Rolle als Ehemann den perfekten Gegenpart zu Streep mimt und sich abermals in mein Herz gespielt hat. Ein Name, der viel zu selten genannt wird.

Das Genre des Biopics wird in der Award-Season immer groß gefeiert, weil es nun mal einfach tolle Rollen zu bieten hat. Möglicherweise wird es ja meine neue Oscartradition, die Filmbiographien der Vorjahre aufzuholen. Nach dem aktuellen Stand gehen mir die Filme da auch so schnell nicht  aus.

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