Rebel Rebel – Vielleicht lieber morgen und Der Club der toten Dichter

Ich wandle heuer bewusst gegen den Strom und habe mich diese Woche gegen Daniel Craig und für Emma Watson entschieden. Während sich die Kinomasse den Himmel auf den Kopf fallen lässt, habe ich mir einen amüsanten und anrührenden Abend mit drei Außenseitern gegönnt. Und weil ich davon nicht genug bekommen konnte, habe ich mir gleich noch mehr von dieser Sorte dazu geholt.

Es gibt zwei Lebensabschnitte, die immer wieder in Literatur und Film verhandelt werden: Dazu gehört neben den berühmten Mitte-Dreizigern natürlich die Coming-of-Age-Phase. Die Teenagerjahre beinhalten so viele dramatische Momente, dass es auch im Kino nicht langweilig zu werden scheint, eine junge Person bei ihrem Übertritt zum Erwachsen-Sein zu begleiten. Das ist auch der Fall bei Charlie (Logan Lerman), der sich in Stephen Chboskys Literaturverfilmung Vielleicht lieber morgen (2012) als Neuer an der Highschool behaupten muss. Natürlich findet der schüchterne Literaturfan nicht sofort Anschluss, was sich allerdings ändert als er von den Stiefgeschwistern Sam (Emma Watson) und Patrick (Ezra Miller) in ihre Clique von Außenseitern aufgenommen wird. Mit der Rückenstärkung seiner neuen Kameraden macht Charlie die ersten großen Schritte zum Erwachsenen. Das alles mutet nichts Neues an. Ebenso überrascht es nicht, dass sich zwischen den Hauptcharakteren Charlie und Sam etwas anbannen könnte. Die Stärken des Films liegen eindeutig nicht in seiner Handlung, dafür aber bei seinen Figuren und deren Darsteller. Regisseur Chbosky ist gleichzeitig auch der Autor der literarischen Vorlage (dt. Titel: Das also ist mein Leben) und scheint daher genau zu wissen, wie er Sympathiepunkte beim Publikum einsammeln kann. Das Protagonistentrio Lerman, Watson und Miller glänzt mit seiner stimmigen Chemie untereinander und der unbestrittene Star ist von vorneherein Emma Watson, die nicht nur Lermans Charakter in ihrem Bann zieht. Ohne Zauberstab und Burberry-Trenchcoat spielt sie einfach frei von der Leber weg und überstrahlt damit ihre männlichen Kollegen. Aber trotzdem sei auch ausdrücklich auf Ezra Miller hingewiesen, der nach We need to talk about Kevin eine ganz unerwartete Seite von sich zeigt und von dem ich auch weiterhin sehr gespannt bin, was er noch so auf Lager hat. Abgerundet wird das tolle Schauspiel von einem ebenso tollem Soundtrack, inkl. alter Lieblinge wie David Bowie und The Smiths. Das alles lässt den Film stellenweise richtig zu Herzen gehen und hinterlässt ein wohlig-warmes Gefühl – nicht nur im Kinosessel.

Wer sich hiervon noch nicht genug erweichen lassen konnte oder, wie ich, gerne noch mehr Jugendliche heranwachsen sehen möchte, der greife zu einem unbestrittenem Klassiker. Der Club der toten Dichter (1989) vereint alle gute Zutaten zu einem perfektem Filmerlebnis: Das Original-Drehbuch von Tom Schulman, das schließlich auch einen tollen Roman von Nancy Kleinbaum nach sich zog, wurde von Regisseur Peter Weir (Der einzige Zeuge) mit Hauptdarsteller Robin Williams (Good Morning, Vietnam) umgesetzt. Die zentrale Idee, dass Kunst und Gemeinschaft von den Fesseln der Gesellschaft frei machen können, wird hier ebenfalls als angestrebtes Coming-of-Age-Ideal präsentiert. Die Handlung ist am Ende der 50ziger Jahre angesiedelt, als der schüchterne Todd (Ethan Hawke) am Elite-Internat Welton Academy seine Schulzeit beginnt. Gleichzeitig nimmt auch der neue Englischlehrer John Keating (R. Williams) seinen Dienst am Internat auf und bringt mit seinen Lehrmethoden und liberalen Ansichten neuen Schwung in das alte Gemäuer. Die Schüler folgen seinem Aufruf zur Selbstentfaltung, beginnen sich mit Poesie auseinander zu setzen und gründen gemeinsam mit ihrem Lehrer den titelgebenden Club. Die konservative Schulleitung und Elternschaft teilen die neue Begeisterung der Jugend aber keinesfalls. Der Film zeigt, wie bereits zehn Jahre vor dem endgültigen Ausbruch der sexuellen Revolution und 68ziger Bewegung die ersten Keimzellen des Generationenkonflikts gesetzt werden. Abgesehen jedoch von dem historischem Aspekt, setzt sich der Film ebenso äußert kritisch mit dem schulischen Umfeld als Schaubühne des Erwaschen-Werdens auseinander. Robin Williams ist die absolute Idealbesetzung für die Rolle des freigeistigen Anführers gegen die autoritären Mächte, ebenso perfekt mimt Ethan Hawke die Figur des in sich gekehrten Außenseiters. Darsteller und Regisseur ziehen bis zuletzt ganz fest an der Emotionsschraube und krönen ihr Werk schlussendlich mit einem der nachhaltigsten Filmenden aller Zeiten.

Was damals Internat, ist heute die High School – wenn man sich das so anschaut, kann man froh sein, die Schulzeit irgendwie überlebt zu haben. In jedem Fall gehören beide Filme auf den Lehrplan. Damit die Schüler auch wirklich mal was fürs Leben lernen. Den Lehrern kann es auch nicht schaden. Genauso wenig wie allen Anderen. Ach, ihr wisst schon: Ab ins Kino!

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