Hold Your Head High – Angels‘ Share und Fish Tank

Was lange währt...ich lasse mich hier leider nicht mehr so oft blicken, auch wenn ich schon mehrmals Besserung gelobt habe. Aber zur Zeit befinde ich mich im Prüfungsstress und das wird auch noch etwas anhalten. Insofern wird der Blog wohl leider auch weiterhin das Nachsehen haben. Ich gelobe aber zumindest zum 1. Geburtstag im Dezember mir noch etwas Glorreiches einfallen zu lassen, denn das möchte ich doch schon gebührend feiern und meiner gewogenen Leserschaft auch wieder etwas bieten. Heute kann ich dafür mal wieder von einer erfreulichen Sneak Preview berichten, denn da das Heimkino etwas brach liegt, gehe ich wieder öfter ins Kino. Hier wurde ich seit Langem mal wieder auf das britische Kino aufmerksam gemacht und einer seiner Paradedisziplinen: dem Sozialdrama.

Hingegen seiner Art hat Regisseur Ken Loach (The Wind That Shakes the Barley) neuerdings etwas weniger Schwermut walten lassen und so kann sein neuster Film Angels‘ Share (2012) auch getrost Sozialkomödie genannt werden. Zumindest beginnt die Geschichte äußerst schwungvoll mit einem volltrunkenem, schottischem Jugendlichen, der an einem Bahnhof im scheinbarem Nirgendwo an den Gleisen entlang torkelt. Damit ist der Grundton des Filmes schon gesetzt, der konsequent zwischen lustig und tragisch schwankt, und so durchaus zu unterhalten weiß. Im Zentrum steht der Jugendliche Robbie (Paul Brannigan), der sich mit seiner kriminellen Vergangenheit schon einiges im Leben verbaut hat. Mit der Geburt seines ersten Sohnes soll sich das nun aber ändern und dank dem engagiertem Sozialarbeiter Harry (John Henshaw) entdeckt er eine neue Leidenschaft: den Whiskey. Was sich im ersten Moment nicht vielversprechend anhört, entpuppt sich für den Jungen aus Glasgow als große Chance. Loach bietet mit seinem Helden Robbie und dessen verschrobenen Freunden überaus sympathische und authentische Figuren an, nur leider stehen sie zeitweise hinter ihrer sozialen Situation zurück. Bevor die Figuren ihren großen Auftritt bekommen, nimmt sich der Film sehr viel Zeit, um die kritischen Bedingungen zu zeigen, unter denen Robbie versucht seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Der Einstieg in das Geschehen gestaltet sich dadurch etwas zäh, wofür man aber zum Ende hin wieder ausreichend entschädigt wird. Hier sei ausnahmsweise mal angeraten, den Film nicht unbedingt im Original anzuschauen – ausgeprägter schottischer Akzent!

Weitaus weniger vergnüglich gestaltet sich das Schicksal der 15-jährigen Mia (Katie Jarvis) in Fish Tank (2009). Sie teilt sich mit Loachs Robbie die Perspektiv-losigkeit der unterprivilegierten  britischen Jugend. Die Schule hat sie abgebrochen und sieht ihre Chance auf Erfolg im Hip-Hop-Tanz. Ihre alkoholkranke Mutter kann sie darin nicht unterstützen, allerdings hat der neue Liebhaber Connor (Michael Fassbender) ein Ohr für Mia und macht ihr Mut, ihre Ziele zu verfolgen. Als sich die Beiden jedoch näher kommen, ist Connor am nächsten Tag verschwunden. Andrea Arnold, die sich für das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeichnen kann, ist mit Fish Tank ein gleichermaßen bestürzendes wie anrührendes Sozialdrama gelungen, das zurecht mehrfach preisgekrönt wurde. Sie bleibt ganz dicht bei ihrer Protagonistin ohne ihr dabei tiefschürfende Gefühlsausbrüche abzuverlangen. Die großartige Darstellung von Katie Jarvis legt eine ganze emotionale Bandbreite frei, ohne dabei tief in die Trickkiste greifen zu müssen. Ebenso vielfältig kann Michael Fassbender seinen Connor präsentieren, der als charmanter Verführer immer undurchschaubar bleibt. Die Welt in der sich Mia bewegt ist eintönig, dreckig und eng. Arnold fängt die Tristesse der Betonbauten mit dokumentarischem Blick unangenehm real ein. Hier herrscht der kalte Realismus, den auch Ken Loach andernorts schon gepredigt hat. Beide Regisseure halten  die Fahnen für die britische Jugend aber stetig hoch und weisen sie als charakterstarke Stehaufmännchen aus, für die es noch lange nicht zu spät ist.

Beide Filme kann ich allen nur wärmstens ans Herz legen. Das britische Sozialdrama hat nachwievor eine gewaltige Durchschlagkraft und davon sollte man sich gerne selbst überzeugen. Vor allem, weil es immer noch irgendwo einen Streifen am Horizont sieht.

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2 Kommentare

  1. chrissi

     /  25. Oktober 2012

    Uhhh warst du in der selben sneak? 😀 die Schauspieler bei the angels share waren super ausgesucht absolut nicht glammy das fand ich super haha wer weiss ob das die antwort auf die rum diaries war^

    Antwort
  2. „Fish Tank“ fand ich auch super. Ein wirklich ergreifender Film.

    Antwort

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