Same Old Song And Dance – Wie beim ersten Mal und Wolke 9

Wie beim ersten Mal [Film]Ich habe den Maßkrug mal wieder beiseite gestellt und den Weg aus dem Bierzelt ins Kino gefunden. Genauer gesagt mal wieder in eine Sneak Preview und ich wurde tatsächlich auch überrascht. Mit einem Film, den ich mir ohne Weiteres nicht angesehen hätte und zwar aufgrund seiner Thematik: Sex im Alter. Für mich persönlich ohnehin noch kein Thema und auch im cineastischen Raum verspricht es keinen großen Unterhaltungswert, sondern eher Unbehaglichkeit. Ein heißes Eisen, das aber trotzdem immer häufiger seinen Weg auf die Leinwand findet. Und weil ich eben so positiv von meinem letzten Kinobesuch überrascht worden bin, fasse auch ich nach reiflicher Überlegung dieses Eisen hier mal an und teile freimütig meine Eindrücke mit euch.

Ich möchte ehrlich bleiben und sage es ganz offen: Sexualität untern Rentner möchte ich im Kino nicht sehen. Grundsätzlich ist das wohl etwas mit dem sich niemand befassen möchte, bevor es nicht soweit ist. Was Opa und Oma im Schlafzimmer treiben, möchte die Enkelin nicht wissen. Genau an dieser Stelle wird mir dann bewusst, wie ungemein doof diese Einstellung eigentlich ist. Denn das führt schließlich dazu, dass Sex im Alter zu dem wird, was es bei uns auch ist: Ein Tabu-Thema. Dabei sollten die Errungenschaften der letzten 50 Jahre sexueller Revolution doch nicht nur der jungen Generation vorbehalten bleiben. Auch im hohen Alter sollte sich jeder dabei frei fühlen dürfen, seinen sexuellen Bedürfnissen offen nachzugehen. Wie komme ich zu dieser Erkenntnis? Ich hatte eine Therapiesitzung mit Meryl Streep, Tommy Lee Jones und Steve Carrell. Diese Drei sind die Stars des neuen Films Wie beim ersten Mal (2012), der seit dieser Woche in den Kinos läuft. Darin wird der grummelige Arnold Soames (T. L. Jones) von seiner gefrusteten Ehefrau Kay (M. Streep) zur Paartherapie geschleppt, nachdem die Ehe nach 30 Jahren eingeschlafen ist. Mit anderen Worten: Der Ofen ist aus. Dr. Bernard Feld (S. Carrell) ist Wortführer in den Sitzungen, die die festgefahrenen Beziehungsstrukturen offen legen und neue Leidenschaft entfachen sollen. Es ist ganz großes Schauspielkino von Meryl Streep, die zusammen mit Tommy Lee Jones und unter der erneuten Regie von David Frankel (Der Teufel trägt Prada) wieder zu Höchstleistungen aufläuft. Handlung, Ort und Zeit sind vollkommen reduziert auf das Ehepaar und seine Entwicklung im Laufe der Therapie, womit dem Zuschauer ein großer Gefallen erwiesen wird. Das anfängliche, Klischee-beladene Rentnerpärchen lässt Therapeut und Publikum nach und nach hinter die Kulissen blicken, um dann gemeinsam den Versuch zu starten, wieder Intimität in die Ehe einziehen zu lassen. So gefühlsdusselig sich das jetzt auch lesen mag, so herzlich und unerwartet witzig kann es trotzdem sein.

Wolke 9 [Special Edition], ca. 11 EuroEin ganz anderes Fahrwasser nimmt Wolke 9 (2008) von Regisseur Andreas Dresen. Auch dort wird die Geschichte einer Ehe erzählt, die sich nach Jahren in einer Krise befindet. Die Rentnerin Inge (Ursula Werner) beginnt eine Affäre mit Karl (Horst Westphal) und erlebt mit ihm eine Leidenschaft, die sie ihrem Ehemann Werner (Horst Rehberg) gegenüber nicht mehr empfindet. Dabei ist es vor allem die körperliche Nähe, die sich für Inge in wahre Gefühle entwickelt und an die der Zuschauer auch großzügig teil haben darf. Wer die Werke von Andreas Dresen kennt (Sommer vorm Balkon), weiß um seine oftmals schonungslose Darstellungsweise. Die Kamera hält immer drauf, bewegt sich kaum und es kommen auch sonst so gut wie keine fiktionalen Elemente, wie z.B. eine musikalische Untermalung, vor. Eigentlich wird keine Geschichte erzählt, sie wird gezeigt. Das ist natürlich Geschmackssache und ich gebe auch zu, dass ich auch zunächst eine halbe Stunde Eingewöhnung brauche, bis ich mich ganz auf den Film einlassen kann. Danach lernt man Dresens rabiate Authentizität aber sehr zu schätzen, weil sie schlichtweg ehrlich ist. So einsam und unglamourös das Rentnerleben für die Protagonistin Inge in Berlin ist, so gestaltet sich auch der Film für sein Publikum. Der gemeinsame Lebensabend ist nun mal nichts spektakuläres und kann mitunter sehr triste Formen annehmen. Die Perspektive, die der deutsche Regisseur hier entwirft, ist in keinster Weise so unbeschwert wie die Hollywood-Variante. Dafür hinterlässt sie einen deutlich nachhaltigeren Eindruck und geht nicht minder zu Herzen.

Egal, ob schonungslos ehrlich oder einfühlsam-herzlich – Sexualität nach 60 kann und sollte womöglich auch öfter Thema guter Filme sein. Denn die Botschaft an sich ist doch wohl klar: Sex hat kein Verfallsdatum und sollte auf dem langem Beziehungsweg nicht verloren gehen. Das weiß schließlich auch Hugh Hefner.

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Ein Kommentar

  1. schreck vor dem Thema in Filmen auch immer ein winig zurück, von beiden Filmen hab ich schon eingies gehört und „Wie beim ersten Mal“ springt irgendwie mehr auf mich an. Gerade weil ich bei Trailer nicht dieses unangenehme Gefühl verspürt habe…

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