Why Don’t You Get A Job – Amok und American Psycho

Amok; Christian SlaterWer kennt das nicht? Ein paar Tage im Büro und schon ist jedes bisschen Erholung aufgebraucht. Ganz so dramatisch muss es nicht sein, aber so manche fleißige Mitarbeiter weiß nur zu gut, was der Büroalltag aus Einem machen kann. Die Bandbreite reicht von Mobbing bis hin zur völligen Aufgabe des Privatlebens. Zuletzt bin ich beim Filmhändler meines Vertrauens auf eine kleine, unscheinbare DVD gestoßen, die sich mit genau diesem Thema befasst und den Extremfall eines deprimierten Büroangestellten durchspielt. Passend dazu bin ich schließlich die Karriereleiter weiter nach oben geklettert und habe dort einen ebenso psychopathischen Yuppie gefunden. Hier also meine zwei Fallbeispiele für eine schlechte Berufswahl.


Der besagte Film, den ich aus der Kaufe 5 – Zahle 4-Kiste gezogen habe, hat im Deutschen den reißerischen Titel Amok (2007). Noch dazu prangt ein Christian Slater mit Bombe im Arm vom Cover. Das machte mich zunächst skeptisch und führt den Käufer auch tatsächlich auf eine völlig falsche Fährte. Der Originaltitel lautet He was a quiet man und trifft den Kern der Geschichte auch deutlich besser. Regisseur und Drehbuchautor Frank Capello erzählt die Leidensgeschichte von Bob Maconel (Ch. Salter), der als kleiner Angestellter in einem großem seelenlosen Unternehmen ein mehr als tristes Dasein führt. Er hat keine Freunde, wird von seinen Vorgesetzten gemobbt und bringt nicht die Kraft auf, sich dagegen zu wehren. Stattdessen nimmt er sich jeden Tag auf’s Neue vor, blutige Rache an seinen Peinigern zu nehmen, wozu ihm aber auch immer der Mut fehlt – bis ihm jemand zuvor kommt und sich seine Lage dramatisch ändert. Es liest sich bis hierhin wie die klassische Geschichte des ewigen Außenseiters, der aus seiner Misere keinen anderen Ausweg mehr sieht als das endgültige Ende. Wenn dem aber so wäre, wäre der Film nach 15 Minuten vorbei. Die unverhoffte Wende der Ereignisse machen Maconel plötzlich zum Helden und der Zuschauer wird Zeuge einer ungewöhnlichen Entwicklung: Er kann sich seiner stillen Liebe Vanessa (Elisha Cuthbert) nähern und punktet bei seinem Chef (William H. Macy). Tatsächlich driftet die Geschichte immer wieder in skurrile und absurde Situationen ab, aber dank der großartigen Darsteller verliert man als Zuschauer nicht das Interesse. Allen voran natürlich Christian Slater, der seinen Maconel niemals unerwartet über sich hinauswachsen lässt und ihm dadurch sehr viel Glaubwürdigkeit verleiht. Zuweilen nimmt der Film auch satirische Züge an, denn das Büro-Universum und seine Bewohnern werden durchweg sehr überzeichnet dargestellt. Trotzdem – und das gefiel mir schlussendlich am besten – nimmt der Film seinen Protagonisten und damit die aufgeworfenen Thematik des Amoklaufes konsequent sehr ernst, ohne dabei den moralischen Zeigefinger immer in die Höhe zu halten oder anstößig zu werden.  Das ist schon eine beachtliche Leistung.

American Psycho; Christian BaleDass auch die oberen Etagen nicht nur sonnige Gemüter hervorbringen, hat Bret Easton Ellis auf extremste Weise in seinem Roman American Psycho (1991) gezeigt. Der Yuppie und Psychopath Patrick Bateman ist inzwischen zur Kultfigur geworden und der Inbegriff all dessen, was in unserer materialistischen Welt alles falsch läuft. Nachdem der Roman bereits einen heftigen Skandal auslöste und in Deutschland sogar indiziert wurde, folgte erst im Jahre 2000 die Verfilmung. Wer das Buch gelesen hat, wird sich meiner Meinung womöglich anschließen und ebenfalls behaupten, dass es nicht verfilmbar sein. Denn die in der Literatur geschilderten Gewalt- und Sex-Exzesse würden auf der Leinwand in Hardcore-Pornografie münden. Insofern muss man hier ehrlich sein und sagen: Der Film kann dem Buch gar nicht gerecht werden. Nichtsdestotrotz finde ich die Regiearbeit von Mary Harron einen ehrenwerten Versuch, bei dem vor allem die Besetzung stimmt. Christian Bale in der Hauptrolle macht seine Sache hervorragend und ebenso positiv zu nennen sind Justin Theroux als Arbeitskollege und Reese Witherspoon als Batemans Verlobte. Die Handlung folgt Batemans Alltag, der zwischen sinnlosen Büroaufenthalten, eintönigen Restaurantbesuchen und ausgiebigen Kosmetikbehandlungen jedes Mal in blutrünstigen Metzeleien mündet. Tagsüber präsentiert er sich seinen reichen Freunden, nachts bestellt er sich Prostituierte in seine Wohnung und/oder verstümmelt sie nach dem Sex. Es ist eigentlich keine richtige Geschichte, die hier erzählt wird, sondern eher der Statusbericht eines vollkommen desorientierten Charakters. Das Drehbuch versucht die erzählerischen Ansätze des Buches zu einem Gesamtbild zu verbinden, was aber nicht so recht gelingen mag. Die Grundthese wird dennoch deutlich: Geld und gesellschaftliches Ansehen retten einen Bateman auch nicht vor sich selbst. Womöglich machen sie es gar nur schlimmer?

Wenn man überhaupt eine Quintessenz aus diesen Filmen ziehen möchte, so würde sie wohl lauten: Sei immer nett zu deinen Kollegen – du weißt nie, was sie gerade in ihrer Schreibtischschublade haben. In diesem Sinne wünsche ich eine harmonische, nächste Mittagspause!

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Ein Kommentar

  1. Na das Filme wie American Psycho absolute Trendfilme waren und (für mich zumindest) immer noch sind und es kaum vergleichbares nach ihnen gab, das steht hoffentlich für einfach jeden fest 🙂

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