I’m No Good – Nine und Public Enemies

Nine [DVD], ca. 8 EuroHier ist es ziemlich ruhig geworden, ich gebe dem August die Schuld dafür. Es war auch für mich Urlaubszeit und der Ruf des Kinos verhallte am Ufer des sonnenbeschienenen Sees. Mit Ausnahme des neuen Batmans habe ich in den letzten Wochen kaum neue Filme gesehen und zu diesem Sommerblockbuster möchte ich mich nicht sofort auslassen, das überlasse ich für’s Erste den eingefleischten Christopher Nolan-Fans. Deshalb beschäftige ich mich heute mal mit den Filmen, die gut auf dem Papier und schlussendlich mies auf der Leinwand sind. Das ist die Art von Spielfilm, die dem Kinofreund tausend gute Gründe gibt, ihn anzusehen und trotzdem keine große Unterhaltungskunst bietet. Lasst mich das mal an zwei Beispielen deutlich machen.

Musicals spalten ihr Publikum meist in zwei Lager: Die Einen lieben sie, die Anderen hassen sie. Ich wiederum liebe cineastische Musicals und hasse sie auf der Bühne. Grease oder Hairspray gehören zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, wohingegen mich die Bühnenfassungen an meine Fremd-schamgrenzen treiben. Es gibt auch nur wenige Regisseure, von denen man ein gutes Musical erwarten kann. Rob Marshall gehört seit Chicago auf jeden Fall dazu. Umso gespannter war ich vor drei Jahren als endlich Nine (2009) zu uns in die Kinos kam. Der Film hatte alles, was ich wollte: Daniel Day-Lewis als männlichen Protagonisten, Sophia Loren als italienische Mama und Pénelope Cruz als unzurechnungsfähige Geliebte. Dazu noch Rom als Schauplatz und eben Marshall als vielversprechenden Mann hinter der Kamera. Die Besetzungsliste könnte ich noch weiter ausführen, immerhin wird die Schaffenskrise des Regisseurs Guido Contini (D. Day-Lewis) anhand der neun Frauen in seinem Leben aufgedröselt und so treten auch noch Größen wie Judi Dench, Nicole Kidman und Marion Cotillard auf. Leider, leider verderben zu viele Köche aber den Brei. Die Episoden reihen sich aneinander ohne ein großes Ganzes zu ergeben, die Spannungskurve bleibt stabil ohne deutliche Ausschläge nach oben. Der Film verschießt sein Pulver eindeutig schon zu früh mit der Eröffnungsszene, auch die Songs der einzelnen Damen reißen es nicht raus – es fehlt entweder der Ohrwurm- oder der Tränendrüsenfaktor. Wirklich schade drum.

Der gemeinsame Nenner könnte hier auch Marion Cotillard sein, denn auch in meinem zweiten Beispiel tritt sie auf. Seit ihrem Oscar 2007 für La vie en rose kann sie eine sehr beachtliche Filmographie vorweisen, hat aber leider nie die stärksten Rollen. So auch in Public Enemies (2009). Grundsätzlich stimmt auch hier erstmal alles. Michael Mann inszeniert die Lebensgeschichte von John Dillinger, des Staatsfeindes Nr. 1 der 30ziger Jahre, mit Johnny Depp in der Hauptrolle und Christian Bale als FBI-Agent und Gegenspieler. Cotillard übernimmt dabei die Rolle der Billie, Dillingers Geliebten. Es liest sich wie die perfekte Zutatenliste zu einem stilsicheren Action-Blockbuster und schließlich fehlt dann doch der letzte Pfiff. Die Spielzeit von 140 Minuten weist deutliche Längen auf, Public Enemies [DVD]; ca. 7 Euroim Gegensatz zu Nine wird hier der Spannungsbogen immer mal wieder überreizt. Manns typische Kameraarbeit, die in Heat und Collateral so genial zum Einsatz kommt, nimmt dem Zuschauer hier die Freude an so mancher Schießerrei – man kann dem Geschehen nur angestrengt folgen. Das Tempo wechselt ständig von rasant zu slow motion, mal ist die Kamera unglaublich nah, dann wieder ganz weit weg. Dabei bleibt es mühsam sich vollends auf Geschichte und Figuren einzulassen, am Ende verlässt man den Kinosaal ziemlich ungerührt. Daran können auch die guten Darsteller nichts ändern.

Jetzt habe ich die Urlaubspause aber nicht gerade mit einem Kracher beendet. Stattdessen verweise ich erstmal auf cineastische Enttäuschungen. Das mache ich aber wieder gut, sobald ich wieder neues Filmmaterial gesichtet habe. Es liegen schon ein paar Sommer-Highlights bereit, die ich schleunigst nachholen werden. Ich hoffe doch, dass sich darunter noch ein paar herzliche Empfehlungen verstecken. To be continued…

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3 Kommentare

  1. Bei „Public Enemies“ hat mich der Videolook so unfassbar gestört, dass ich mir den Film nicht anschauen konnte. Gruselig so etwas.

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  2. Ach, von Filmen, die auf dem Papier Lieblingsfilme waren und auf der Leinwand dann nur eine Enttäuschung, kann ich auch ein Lied singen (ich nenne besser keine Titel). Ärgerlich, wenn doch alle Voraussetzungen stimmen, der Autor oder Regisseur aber trotzdem konsequent am funktionierenden Film vorbeischreibt/-inszeniert.

    Antwort

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