Don’t Worry – Die fabelhafte Welt der Amélie und Happy-Go-Lucky

Die fabelhafte Welt der AmélieJeder hat doch Momente der Schwäche, die er nie im Leben preis geben würde. Schon gar nicht im alltäglichen Trubel zwischen Lernen, Einkaufen, Arbeiten, etc. Emotionale Tiefschläge wie der Tod des Haustiers oder der Verlust des Glücksbringers kann niemand sonst nachvollziehen. Das Unverständnis der Anderen für die persönliche Depression würde natürlich alles noch verschlimmern und deshalb wird nur heimlich getrauert. In solchen Momenten muss man sich Filme an die Seite holen, die eine übergroße Portion Lebensfreude verteilen. Diese kleinen, fiesen Schicksalsschläge lassen sich am leichtesten verarbeiten, wenn man ihnen mit reichlich Frohsinn entgegenschlägt. Ich spreche hier von Filmen, die einem den Stein sprichwörtlich vom Herzen plumpsen lassen.

Ewige Optimisten sind meistens Einzelgänger. Womöglich liegt das daran, dass es die meisten Menschen befremdet, wenn jemand das Glas immer halb voll sieht. Auch auf der Kinoleinwand sind Menschenfreunde nicht wirklich gefragt, Zyniker kommen oft besser an. Durchweg positive Charaktere erwecken schnell den Anschein zu eindimensional und damit unglaubwürdig zu sein. Der moderne Held muss gebrochen sein und der Bösewicht muss auch menschliche Züge haben, um das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Demnach sind auch die Reaktionen auf Jean-Pierre Jeunets Titelheldin in Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) sehr zwiegespalten. Die zuckersüße Amélie (Audrey Tautou) ist eine ebensolche Menschenfreundin und wäre mit ihren naiven Moralvorstellungen auch im Disney-Universum gut aufgehoben. Von Kindesbeinen an ist sie auf sich gestellt und sieht die Welt auch als Erwachsene noch mit ihrem kindlichen Gemüt. Regisseur und Drehbuchautor Jeunet zeichnet das Paris des 21. Jahrhunderts ganz in Amélies Sinne: Jeder noch so schäbige Bahnhof wird in eine magische Aura eingehüllt – hier wird der Zauber der Großstadt wörtlich genommen. Audrey Tautous Kulleraugen und Yann Tiersens musikalische Untermaltung tuen ihr Übrigens. Manche finden es kitschig, andere finden es magisch: Es lohnt sich in jedem Fall dem Film eine Chance zu geben, denn hinter den schillernden Bildern verbirgt sich ein großartiges Drehbuch mit einer entzückenden Geschichte.

Das die Liebe zum Leben nicht immer märchenhaft sein muss beweist Regisseur Mike Leigh in Happy-Go-Lucky (2008). Der Film driftet zu keinem Zeitpunkt in einen verträumten, weltfremden oder gar kitschigen Blickwinkel ab. Stattdessen präsentiert Leigh mit der Grundschullehrerin Poppy (Sally Hawkins) eine Optimistin par excellence, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Im Gegensatz zu ihrem Umfeld kann das Leben sie nur einfach nicht erschüttern. Dabei ist sie nicht taff oder abgebrüht im herkömmlichen Sinne, sondern schlichtweg lebensfroh und beweist echtes Einfühlungsvermögen gegenüber ihren Mitmenschen. Die Handlung folgt ihr in ihren Alltag, wobei es immer wieder kleine Höhe- und Tiefpunkte gibt. Happy-Go -LuckyDer rote Faden des Films, sofern man denn einen braucht, bilden Poppys Fahrstunden mit ihrem Fahrlehrer Scott (Eddie Marsan), der das deutliche Gegenstück zu ihrem frohlichen Wesen darstellt. Die Episoden im Auto sind von den Darstellern Hawkins und Marsan wirklich ganz großes Kino. Allein die schauspielerischen Leistungen machen den Film sehenswert. Aber eben auch das Aufeinandertreffen von Frohsinn und Trübsinn, Optimist und Pessimist, Weltoffenheit und Einsamkeit.

Ich persönlich bevorzuge ja die träumerische Verspieltheit einer Amélie, sehe aber ein, dass eine Poppy wohl lebensechter ist. Es werden aber definitiv beide Frauen öfter den Weg auf meine heimische Leinwand finden – einfach weil es die Welt ein bisschen besser macht.

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6 Kommentare

  1. Amelie fand ich toll, Happy Go Lucky dagegen einfach nur furchtbar anstrengend. Am liebsten wäre ich damals aus dem Film gegangen, aber ich hatte ja noch Hoffnungen. Die sich leider nie erfüllten.

    Antwort
    • Das kann ich sogar sehr gut nachvollziehen, weil ich die Qualitäten von Happy-Go-Lucky auch erst nach dem zweiten Mal sehen erkannt habe. Nach meiner ersten Sichtung wusste auch erstmal gar nichts damit anzufangen. Mir fehlt auch immer noch die Emotionalität einer Amélie.

      Antwort
  2. Von HappyGoLucky habe ich vor Ewigkeiten mal einen Trailer gesehen und mir gedacht, dass ich den umbedingt mal sehen muss… aber irgendwie ist das in Vergessenheit geraten. Danke dass du meine Erinnerung wieder aufgefrischt hast ;D

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  3. Ich bin wohl die einzige Person, die noch nie Amelie gesehen hat ^^‘

    Antwort
  4. Die fabelhafte Welt der Amelie hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
    Kennst du bereits „Pushing Daisies“? Diese Serie besitzt einen ähnlichen Stil und wirkt wie eine Mischung aus Tim Burton und Die fabelhafte Welt der Amelie.

    Antwort

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