No Woman No Cry – Der Adler der neunten Legion und Agora – Die Säulen des Himmels

Der Adler der neunten Legion [DVD]; ca. 8 EuroDie Kategorie des Sandalenfilms unterliegt doch immer den gleichen Genre-Regeln. So unschön dieser Name auch sein mag, er triff doch in gewisser Weise zu: Das in der Antike angesiedelte, historische Drama glänzt mit seinen Kostümen und großen Helden, die sich vor allem durch ihre männlichen Attribute auszeichnen. Es ist meist testosteron-geladenenes Unterhaltungskino, mit wenig bis gar keinem Raum für die weiblichen Mitspielerinnen. Dieses Konzept ist bekanntlich schnell erschöpft und deshalb werfen wir jetzt mal einen Blick auf zwei Filme der jüngsten Kinogeschichte, die den Versuch gewagt haben, sich vom Altbewährten zu lösen.

Eine der positives Kino-Überraschungen aus 2011 war für mich Der Adler der neunten Legion. Ziemlich unbekümmert und ohne große Erwartungshaltung habe ich im Kinosessel Platz genommen und wurde von der mitreißenden Atmosphäre und der großartigen Darstellerleistung vollends überzeugt. Die Geschichte folgt dem jungen römischen Centurio Marcus Flavius (Channing Tatum), der nach einem beruflichen Rückschlag die Ehre seiner Familie wiederherstellen möchte, indem er die als verloren geltende Standarte der neunten Legion wiederfindet. Dazu muss er sich auf einen Reise hinter den Hadrianswall begegeben und das nur in Begleitung seines britisch-stämmigen Sklaven Esca (Jamie Bell). Die Handlung selber bietet an sich nichts Neues: Der Held erleidet einen Schicksalsschlag und muss sich rehabilitieren. Aber schon das Setting gibt eine vollkommen andere Stimmung vor als es der Sandalen-Liebhaber gewohnt ist. Es ist nicht warm oder gar heiß – die Szenerie befindet sich im kalten und nassen Britannien. Kein Ächzen vor Hitze, sondern ein Bibbern vor Kälte gibt den Ton an. Das allein erzeugt schon eine ganz unerwartete Spannung. Dazu passend bleibt der Fokus immer auf dem angespannten Verhältnis der beiden Reisenden: Meister oder Sklave?, Römer oder Brite? – Wer ist Feind, wer ist Freund? Dieser Film ist vielleicht weniger pompös, dafür aber umso fesselnder.

Agora - Die Säulen des Himmels [DVD]; ca. 8 EuroWer kaum im Sandalenfilm anzutreffen ist, ist die Frau. Mit Ausnahme von Cleopatra bleibt das weibliche Geschlecht in der Antike ziemlich blass. Das mag an der realhistorischen, schwachen Position der Frau zu jener Zeit liegen oder schlichtweg an den überlebensgroßen Titelhelden, in Agora – Die Säulen des Himmels (2009) tritt jetzt aber endlich auch mal wieder eine Heldin in das Zentrum des Geschehens. Mit Hypathia (Rachel Weisz) wird dem Publikum eine auch für heutige Verhältnisse sehr emanzipierte, selbstständige Frau vorgestellt, umgeben von sehr vielen Männern. Die Philosophin lehrt Astronomie und Mathematik an der Bibliothek von Alexandria, bis die religiösen Unruhen in der Stadt den Frieden stören. Die Christen beginnen ihren Glauben im Römischen Reich durchzusetzen, wodurch die heidnische Bibliothek schließlich erstürmt wird. Von da an befinden sich auch die Heidin Hypathia und ihre Studien im Kreuzfeuer der Religionen. Nur ihre beiden Schüler Orestes (Oscar Isaacs) und Davus (Max Minghella) stehen ihr in hingebungsvoller Liebe bei. Kostüme und Sets des Films lassen wieder auf das übliche Spektakel hoffen und so soll dem auch sein. Der Schauplatz Alexandria präsentiert sich in Hochglanz-Optik. Ebenso imposant ist die Erzählweise: Die Perspektive wechselt stetig zwischen den Auseinandersetzungen der religiösen Gruppen und Hypathias Suche nach der richtigen Kreisform. Das mindert das Filmerlebnis jedoch kaum, denn schlussendlich greift doch alles wieder ineinander. Rachel Weisz ist die Rolle der intellektuellen Herzensbrecherin förmlich auch den Leib geschrieben und überstrahlt (wie vermutlich beabsichtigt) ihre männlichen Kollegen durchweg. Ein schöner filmischer Blick auf die Personen und Befindlichkeiten ihrer Zeit.

Es müssen also nicht immer Gladiatoren und Götter sein. Die Antike hat noch weitaus mehr zu bieten als die üblichen Verdächtigen. Manchmal ist sogar noch Platz für Zwischenmenschliches.

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3 Kommentare

  1. Oha, na das ist überraschend. Habe bisher nur Schlechtes über den Adler gelesen…

    Antwort
  2. Mit Sandalenfilmen werde ich auch schwer warm, aber Ersterer hier klingt da ja gar nicht so uninteressant (trotz Channing Tatum) und erinnert mich an „Centurion“ mit Michael Fassbender (der allerdings nicht viel mehr als diesen zu bieten hat). „Agora“ fand ich auch ganz ungewohnt, sehr faszinierend.

    Antwort
    • Ich kann den Adler wirklich nur empfehlen. Eben genau deshalb, weil er sich nicht an die Genre-Regeln hält. „Centurion“ wollte ich in diesem Zusammenhang auch immer mal begutachten.

      Antwort

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