Fight For Your Right – Mein linker Fuß und Ich bin Sam

Mein linker Fuß - Ich bin Sam; Warner Bros.

Manchmal braucht man Mutmacher. Filme, die einem beweisen, wie lebenswert das Leben doch sein kann, auch wenn es nicht den Anschein hat. Gut, dieses Paradigma könnte man jetzt auf eine sehr breite Masse an Hollywood-Dramen beziehen. Ich möchte heute aber auf die ultimativste Form der Mutmacher-Movies hinweisen. Nichts macht den Menschen so machtlos wie eine Krankheit. Nicht mehr Herr über den eigenen Körper zu sein und das Gefühl zu haben, nicht mehr am Leben teilhaben zu können – wie soll man sein Schicksal akzeptieren, wenn es manchmal so verdammt ungerecht zugeht? Das Kino hat auch dazu zwei wundervolle und sensible Geschichten parat, die wirklich bemerkenswert kämpferische Persönlichkeiten ehrt.

Ich habe immer Mal wieder den Eindruck, dass Spielfilme, die die Lebensgeschichte einer schwererkrankten Person thematisieren, keinen besonders guten Ruf genießen. Das kommt zum Teil durch die oftmals triefend kitischige Erzählweise dieser speziellen Filme und zum Anderen auch durch den verpönnten Stempel der Oscar-Garantie für die Hauptdarsteller, was ebenfalls nicht sonderliche positive Kritiker- und Publikumsresonanz zur Folge hat. Es ist eben auch nicht einfach, ein dramatisches Schicksal möglichst authentisch zu zeigen, ohne dabei zu anrührend zu sein. Ein Regisseur, dem das absolut gelingt, ist der Ire Jim Sheridan. Mit seiner Filmbiographie Mein linker Fuß (1989), mit der er die Autobiographie des schwerbehinderten Christy Brown für die Leinwand umgesetzt hat, ist er von dem Kitsch-Klischee meilenweit entfernt. Sherdians Werke bleiben grundlegend sehr nüchtern und es hat fast den Anschein als erlaube er seinen Figuren keine unnötigen Gefühlsduseleien. Im Prinzip können sie sich das auch nicht leisten – Christy Brown ist fast vollständig gelähmt und noch dazu das 10te von 13 Kindern aus ärmlichsten Verhältnissen. Nur dank den intensiven Bemühungen seiner Mutter lernt er sich mit seinem linken Fuß verständlich zu machen. Aber es ist nunmal ein Kampf, den er und seine Angehörigen jeden Tag aufnehmen müssen. Daniel Day-Lewis ist in seiner Hauptrolle wie immer großartig und bringt den Zuschauer regelmäßig mit seinem irisch-schrägen Humor zum Lachen.

Für so ein richtig herzliches Lachen bleibt im folgenden Film kaum Platz. So wunderbar nüchtern Sheridans Blickwinkel auch sein mag, manchmal geht muss es tief ergreifend sein. Senn Penn schafft es in seiner Rolle des Sam Dawson dem Publikum jederzeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, aber es bleibt immer bittersüß. Das Drama Ich bin Sam (2001) verfolgt den Kampf des geistig zurückgebliebenen Sam um seine Tochter (Dakota Fanning), nachdem ihm das Sorgerecht auf behördliche Anordnungen entzogen wurde. Die Handlung mündet im Verlauf des Films auch in ein Gerichtsdrama, bei dem Sam und seine Anwältin (Michelle Pfeiffer) den David-gegen-Goliath-Kampf antreten. Nebenbei dient Pfeiffers Charakter als Paradebeispiel der geläuterten Karrierefrau, deren Zusammenarbeit mit Sam auch einen Wendepunkt in ihrem Privatleben bedeutet. Diese Handlung verspricht nichts Neues oder Überraschendes, das muss sie aber auch gar nicht Einige Momente kratzten sehr beharrlich an der Kitsch-Grenze und alles ist in einen Schleier reinster Emotionalität eingehüllt – trotzdem konnte ich mich diesem Film nicht entziehen. Sicherlich hätte es dem Anspruch und der Authentizität nicht geschadet zwischenzeitlich auch mal ein paar härtere Töne einzuschlagen und wirklich etwas Verunsicherung um Sams Schicksal beim Publikum zu erzeugen, aber so bleibt die Spannungskurve auf einem mehr als erträglichem Niveau. Dennoch wird Sean Penns Darbietung der vermeintlichen Intention des Films vollauf gerecht: Sie trifft ins Herz.

Auf unterschiedlichste Weise verteten beide Werke den gleichen Standpunkt: Es lohnt sich trotz all der Frustrationen und des Außenseitertums nicht den Mut zu verlieren. Das mag abgeschmackt klingen, aber der erst kürzliche Kinoerfolg von Ziemlich beste Freunde hat bewiesen, dass der Kinozuschauer genauso so etwas manchmal braucht. Mutmacher eben.

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Ein Kommentar

  1. „Ich bin Sam“ sehe ich genauso wie du. Manchmal kitschig, aber trotzdem unglaublich aufregend zu sehen. Penn und Fanning sind wirklich ein gutes Duo.

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