Father & Son – The Road und There Will Be Blood

The Road [DVD]; ca. 8 EuroBoys will be boys – So sind sie eben, die Jungs. Die Frage wie sich die Geschlechter auf filmischer Ebene inszenieren richtet sich in der Regel ja eher an die Frauen. Inwieweit sich eine starke oder selbstbewusste oder eigenbestimmte weibliche Persönlichkeit in einer Männerdomäne durchsetzen kann, sie aber trotzdem noch Mutter, Ehefrau und Geliebte bleiben kann. Der frauliche Kampf gegen männliche Dominanz kann wundervolle Leinwandabenteuer hervorbringen oder eben auch ganz mieserable. Ich selbst habe mich hier auch schon mit dem einem oder anderem Frauenfilm auseinandergesetzt – jetzt ist es aber mal Zeit für die Männer! Und da ich die Mütter dieses Jahr schon bedacht habe, sind jetzt die Väter dran.


Die von mir getroffene Filmauswahl nimmt ganz bewusst die Vater-Sohn-Beziehung mit Abwesenheit der Mutter ins Visier. Das hat den Grund, dass sich in dieser Konstellation alles auf den Mann konzentrieren muss. Ohne den weiblichen Part muss auch der Vater die emotionale Bindung zu dem Kind aufbauen, was eben sonst im Kino gern als klassische Frauen-Aufgabe abgewiesen wird. Grundsätzlich sind die traditionellen Geschlechterrollen nirgendwo so tief verankert wie im Mainstreamkino der großen Hollywoodstudios. Daher sind diese Vater-Sohn-Geschichten wahrscheinlich auch nur in extremen Szenarien denkbar. Zumindest ist sie es in John Hillcoats Endzeitdrama The Road aus 2009. Nach der Apokalypse kämpfen Vater (Viggo Mortensen) und Sohn (Kodi Smit-McPhee) ums Überleben und ziehen rastlos durch das Land. Es ist eine sehr dunkle und grausame Welt, in der sie sich zurecht finden müssen – der Überlebenskampf bringt das Dunkelste im Menschen hervor. Das Einzige, was diese Atmosphäre durchbricht und den Funken Hoffnung am Leben erhält, ist die Verbindung zwischen Vater und Sohn. Während alles um sie herum zusammenbricht und alle Regeln menschlichen Zusammenlebens außer Kraft gesetzt wurden, sind die Aufopferung des Vaters und der starke Wille des Sohnes die Aspekte, die auch das Publikum am Leben erhalten. Viggo Mortenson gelingt es den Zwiespalt und die Facetten seiner Figur perfekt rauszuarbeiten. Der schmale Grad zwischen emotionaler Hingabe und harter Disziplin stellt den männlichen Erziehungsbeauftragen selbst in dieser Katastrophensituation vor die größte Herausforderung und beweist damit gleichzeitig das denkbar größte Maß an Menschlichkeit.

Eben diesen schmalen Grad sieht Daniel Day-Lewis als autoritärer Öl-Magnat überhaupt nicht. Wie der imposante Titel There Will Be Blood bereits erahnen lässt, geht es in dem Film aus 2007 nicht minder dramatisch zu. Im Mittelpunkt steht der aufstrebende Geschäftsmann Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), der im Westen der U.S.A. zu Beginn des 20. Jahrhunderts nichts als den Profit seines Öl-Geschäftes im Sinn hat. Obwohl es sich anhört wie der filmtypische skrupellose Businessman, ist er es nicht so ganz. Nach außen hin bleibt er seinem herzlosen Klischee zwar treu, im Verlauf der 158 Minuten offenbart sich aber auch der innere Kampf, den er mit sich selbst dafür austragen There Will Be Blood [DVD]; ca. 9 Euromuss. Die Momente seines Scheiterns bilden dabei die epischen Höhepunkte des Films: Der Unfall des Sohnes, die Konfrontation des Bruders und die Taufe. Keiner dieser Momente nutzt er als Wendepunkte seiner Selbst, sondern lässt seine Selbstinszenierung unangetastet und überlebensgroß bestehen. Die Beziehung zu seinem Sohn leidet dementsprechend, seine Vaterrolle muss er irgendwann aufgeben. Dieses grandiose Charakterdrama spielt sich vor mächtigen Naturkulissen ab und ist unterlegt mit quälend-genialer Musik. Wer sich für monumentales Schauspiel-Kino begeistert, muss diesen Film mindestens einmal gesehen haben.

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. – Das gilt eben auch noch im Kino. Das war dann jetzt aber wirklich die letzte Weisheit für heute…

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3 Kommentare

  1. Irgendwie kommt nicht ganz raus, wie dir „The Road“ letztendlich gefallen hat – also auf rein emotionaler Ebene. „There Will Be Blood“ hat mich bisher noch nicht sonderlich gereizt…

    Antwort
    • Stimmt, das bleibt ein wenig vage… Würde mich aber auch interessieren.
      Und witzigerweise konnte ich mich ebenfalls noch nicht für „There will be Blood“ erwärmen; aber irgendwann überwinde ich mich und sehe ihn mir an!

      Antwort
      • Ja, da habt ihr schon recht: Ich blende bei meinem Kritiken meine ganz persönliche Meinung immer etwas aus und versuche (möglichst objektiv) konkrete Facetten der Filme ins Zentrum zu rücken.

        Aber da ihr so nett gefragt habt und ihr ihn mir ja schließlich auch empfohlen habt, kann ich ganz subjektiv sagen, dass ich ihn auf eine unangenehme Weise sehr beeindruckend fand. Ich war zu jeder Minute voll dabei und fand eben die hier besprochene Vater-Kind-Dynamik so toll, weil es so glaubhaft ist. Ich gebe aber auch zu, dass ich mir einen anderen Schluss gewünscht hätte – aber das kann man sich ja nunmal nicht aussuchen…

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