Schwarz Zu Blau – Der Himmel über Berlin und Berlin Calling

Der Himmel über Berlin [DVD]; ca. 8 EuroMeine Lieben, ich lebe noch! Ich habe mich spontan abgemeldet, was vielfache Gründe hatte. Der inzwischen wieder abgeflachte Sommer war ebenso schuld, wie ein gewisses Computerspiel. Technische Ausfälle und berufliche Stolpersteine haben meine Sommerpause dann noch etwas weiter in die Länge gezogen – meine Abwesenheit begründete sich also auf eine gesunde Mischung aus Vergnügen und Pflicht. Auch wenn mir die Zeit gefühlt immer noch durch die Finger rinnt, möchte ich doch jetzt wieder verstärkt einige Minuten hierfür aufwenden. Während ihr nun also alle fleißig Filme geschaut und gebloggt habt, ist meine Film-Liste stetig gewachsen und kein Stück kürzer geworden. Bevor ich meinen Rückstand aufholen kann, hier erstmal eine kleine deutsche Städtekunde.

Es gibt so unendlich viele gute Gründe euch die folgenden beiden Filme ans Herz zu legen. Ich bin selber sehr glücklich darüber, mal wieder deutsches Kulturgut auszupacken und das zum denkbar besten Zeitpunkt – die deutsche Fussball-Euphorie-Welle schwappt vielleicht ja auch auf die aktuellen Film-Vorlieben. Selbst wenn dem nicht so sein sollte, kann mit Wim Wenders poetischer Liebeserklärung an die deutsche Hauptstadt und deren Bewohnern ein noch nicht vorhandener Patriotismus außerhalb des Sportwahnsinns geweckt werden. Der Himmel über Berlin bezaubert sein Publikum mit seiner Poetik, seinen Bilder und seiner Musik – ein im wahrsten Sinne des Wortes ästhetischer Film. Die Geschichte dürfte dem großen Publikum durch das Hollywood-Remake Die Stadt der Engel mit Nicolas Cage und Meg Ryan bekannt sein: Ein Engel verliebt sich in eine Sterbliche und gibt, angetrieben von seiner Sehnsucht und dem Wunsch am Leben der Menschen teilzuhaben, sein Dasein als Unsterblicher auf. In Wim Wenders‘ Original aus 1987 überzeugen Bruno Ganz und Otto Sander als die beiden Engel, die mit ihren naiven-kühlen Beobachtungen eine Emotionalität in Berlins Straßen freisetzen, die sich vollkommen fernab von Kitsch oder Romantik im traditionellem Sinne bewegt. Ungemein faszinierend, wobei auch ich diesen Film erst nach dem zweiten Mal sehen lieben lernte.

Von der Poesie einer überirdischen Liebe zur Realität einer Party-Metropole. Berlin Calling zeigt die Stadt bedeutend härter, aber nicht minder herzlich. 2008 ist Berlins rauer Charme vor allem beim Party-Volk beliebt und berüchtigt. Hannes Stöhr hat mit DJ Ickarus (alias Paul Kalkbrenner) eine vorzeigbare Gallionsfigur einer Feier-Generation gefunden, für die nicht die Drogen, sondern die Musik im Vordergrund steht. Dafür gibt es keinen besseren Beweis als das gewaltige Echo, das dieser Film noch nach sich gezogen hat: Die Single Sky and Sand aus dem Soundtrack des Hauptdarsteller und auch Real-Life-DJs Paul Kalkbrenner hielt sich 108 WocheBerlin Calling [DVD]; ca. 15 Euron in den deutschen Charts – das ist Rekord. Damit hat das Publikum den wahren Star des Films schon ausgezeichnet: Die Musik ist die unbestrittene Seele der Handlung. Ickarus lebt und atmet sie. Sie bringt ihn zu Fall, sie baut ihn wieder auf. Für seine Besessenheit und Sturheit muss der Zuschauer ihn lieben, wie seine Freundin (Rita Lengyel) und Ärztin (Corinna Harfouch) ihn verteufeln. Die Stadt selber rückt hier nicht mehr so sehr ins Zentrum, dafür aber ihre Leute und ihr Leben umso mehr. Von der Party geht es in die Klinik und wieder zurück; von heiter zu verrückt zu verloren zu begeistert. Der Film und seine Figuren sind wahrhaft aufrichtig und das macht ihn schlussendlich so schön.

Ob nun in poetischen Schwarz-Weiß oder pulsierendem Neon: Berlin lebt und liebt wie es ihm am besten gefällt. So soll es ja auch sein. Wenn so herrliche Filme wie diese hier dabei herauskommen, darf das von meiner Seite auch gerne so weiter gehen.

[Wer Interesse daran hat, die Filme käuflich zu erwerben und damit gleichzeitig Frag das Kino… zu unterstützen, kann mit einem Klick auf die Bilder die Dvds über amazon bestellen. Ich sage vielmals Danke dafür!]
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