Yummy, Yummy, Yummy – Toast und Julie & Julia

Toast [DVD]; ca. 13 EuroAm Wochenende sind meine Muffins explodiert. Das ist mir vorher auch noch nie passiert. Sowas geschieht auch nur, wenn man Besuch erwartet. Ich muss leider zugeben, dass ich mit solchen überaus unpassenden Malheur in der Küche nur sehr schlecht umgehen kann. Obwohl ich nicht wirklich die ambitionierteste Köchin bin, kränkt es mich maßlos, sobald mal etwas nicht gelingt. Wenn ich schon mal am Herd stehe, muss es auch was werden. Nach der jüngsten Küchen-Katastrophe wollte ich mich also mit ein paar Filmen aufheitert und neue Motivation tanken, was allerdings auch nur teilweise erfüllt wurde. Ich habe somit eine gute und eine schlechte Nachricht bzw. ein delikates Filmportrait und ein ziemliches fades. Beginnen wir am besten mit letzterem, damit wir uns im Geschmack steigern.

Kann Toast eigentlich auch misslingen? Wahrscheinlich nicht. Aber ihm kann die nötige Würze in Form von Aufschnitt fehlen. Das ist leider auch der Fall in dem Film von S.J. Clarkson. Zu meinem allergrößten Bedauern wurde ich hier ziemlich unterwältigt. Die Kindheitserinnerungen des britischen Starkochs Nigel Slater erstrahlen zwar in den kräftigsten Farben der Swingin‘ Sixties, bleiben aber sonst leider nur lauwarm. Slater muss sich nach dem frühen Tod seiner Mutter allein mit dem strengen Vater zusammenraufen und darüberhinaus eine neue, sehr skurille Stiefmutter ertragen. Auf dieses familieninterne Drama konzentiert sich die Handlung, kann dabei aber nicht an emotionaler Tiefe gewinnen. Dafür, dass ein einsamer kleiner Außenseiter permanent im Mittelpunkt steht, überträgt sich das Leiden des Jungen in keinster Weise auf sein Publikum. Ganz in Gegenteil – zeitweise wird man von dem eintönigen Vater-Sohn-Streitereien auch als Zuschauer genervt. Noch schlimmer ist, dass nichtmal Helena Bonham Carter als böse Stiefmutter Mrs. Potter neuen Schwung in die Handlung bringt. Zu vorhersehbar ist die Entwicklung des Helden, der (natürlich) durch Kochen und Backen seine Berufung findet. Allerdings tritt seine Profession als Koch in keinem Moment wirklich dominant in den Vordergrund, was vor allem den stetigen erzählerischen Ausflügen zu Slaters Homosexualität zu verdanken ist. Um es vielleicht nochmal bildlich auf den Punkt zu bringen: Zäh wie Kaugummi.

Ganz anders dagegen ist die reizende Komödie Julie & Julia, für dich sich Nora Ephron verantwortlich nennen darf. Dort kochen gleich zwei Frauen bzw. die Eine eifert der Anderen nach. Meryl Streep verkörpert die legendäre Fernsehköchin Julia Child, die es sich im Paris der 40ziger Jahre zur Aufgabe macht, das erste englischsprachige Kochbuch zur Französischen Küche zu verfassen. Ihr ist damit ein Triumphzug vorbestimmt und ca. 60 Jahre später versucht eine frustrierte Bloggerin eben dieses Kochbuch innerhalb eines Jahres komplett nachzukochen. Zwei Frauen – zwei Mammutaufgaben – ein wundervoller Film. Die beiden Geschichten verlaufen perfekt ineinander und entwickelt dadurch eine großartige Erzähldynamik. Die Entstehungsgeschichte des Buches und seine aktuelle Julia & Julia [DVD]; ca. 8 EuroAlltagstauglichkeit werden gleichwertig dargestellt, ebenso wie die gegensätzlichen Lebenssituationen der beiden Hauptfiguren. Neben Streep versprühen auch Stanley Tucci als liebender Ehemann und Amy Adams als Bloggerin Julie ihren gesamten Leinwand-Charme. Das aber wirklich Wichtigste an diesem Film bleibt das Kochen. Da sind Schweiß und Tränen ebenso mit inbegriffen wie der pure Genuss. Die Küche als Schauplatz der emotionalen Extreme – ich hätte gerne noch Nachschlag!

Hinter einem großem Koch steht oft auch eine große Geschichte. Immerhin soll Kochen Leidenschaft sein. Ich werde also auch weiterhin meinem Küchen-Prinzipien treu bleiben: Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt. Das zweite Muffin-Blech konnte ich ja noch retten…

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Ein Kommentar

  1. Hierzu kann ich noch den Film „Waitress“ empfehlen, der wirklich auch ziemlich lecker ist.

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