Keep On Rockin‘- Great Balls of Fire und Walk the Line

Great Balls of Fire [DVD]; ca. 8 EuroEine Frage, die wohl jeder Interviewer irgendwann mal stellen wird, lautet: Wenn Sie eine Zeitreise unternehmen könnten, in welchen zeitlichen Abschnitt würden Sie reisen wollen? Die langweiligste Antwort darauf lautet wiederum: Ich würde in die Zukunft reisen und mein Zukunfts-Ich fragen, was ich anders hätte machen sollen. Wer würde denn bitteschön wirklich wissen wollen, was einen in der Zukunft erwartet? Man kann sich auch unnötig unter Druck setzten. Viel spannender wäre es doch die Rätsel der Vergangenheit zu klären! Hat nicht jeder irgendeine Epoche, die er gerne miterlebt hatte? Bis es mit den Zeitreisen soweit ist, muss das Kino seinen Dienst leisten und mich in die 50ziger und 60ziger Jahre mitnehmen.

Die große Zeit des Rock’n’Roll, angeführt von dem unsterblichen Elvis, wäre definitiv mein erstes Reiseziel. Die Nachkriegsjahre, geprägt von neuem Wohlstand und Konsumfreudigkeit, haben eine Musik- und Jugendkultur hervorgebracht, die ich wirklich nur zu gerne mitgemacht hatte. Damals musste man noch tatsächlich ein Instrument beherrschen, um auf der Bühne groß rauszukommen. Welcher wirklich große Superstar leistet das noch heutzutage? Der Hüftenkreiser Elvis soll hier aber nur mit zwei kleinen Gastauftritten gewürdigt werden. Ich lasse zwei andere und absolut ebenbürtige Musiker ins Rampenlicht treten. Der erste heißt Jerry Lee Lewis und sticht aus der breiten Rock’n’Roll-Masse schon durch die Wahl seines Instruments hervor: Er ist der Killer am Klavier. Die Filmbiographie Great Balls of Fire wurde klassisch mit dem Namen seines größten Hits betitelt und widmet sich dafür vornehmlich seinem größten Skandal. Neben Lewis‘ (Dennis Quaid) rasanten Aufstieg zeigt der Film vor allem seinen noch schnelleren Abstieg, der durch die Ehe mit seiner dreizehnjährigen Cousine Myra (Winona Ryder) ausgelöst wurde. Dennis Quaid portraitiert die Rampensau Lewis genauso wie man es erwartet, auch sonst kratzt diese Biographie nur an der Oberfläche. Dafür erweist Quaid der Bühnenlegende Jerry Lee Lewis aber alle Ehre und lässt das Klavier in Flammen aufgehen.

Nach dem Killer kommt keiner mehr. – Das ist so nicht ganz richtig, aber der Killer bekommt auch seine Momente in Johnny Cashs Biographie Walk the Line. Da darf der Zuschauer nämlich am Tourleben von Cash, Lewis und Co. teilhaben. Alle Rock’n’Roll-Götter auf einem Haufen – herrlich. Zwischendrin mischt Reese Witherspoon als June Carter den vollgedröhnten Männerhaufen so charmant auf, dass es ihr sogar den Oscar einbrachte. Grundsätzlich ist diese Filmbiographie auch um einiges tiefschürfender als das Lebenswerk des Killers. Was aber auch daran liegen mag, dass es sich hier um eine größere und abgeschlossene Karriere handelt (Cash ist 2003 verstorben, Lewis is still rockin‘). Natürlich konzentriert sich auch dieser Film auf die größten Hits, die tiefsten Abstürzen und die großen Liebe des Sängers. Joaquin Phoenix überzeugt in Walk The Line [DVD]; ca. 9 Euroder Titelrolle voll und ganz, es ist seine bisher größte und bedeutendste Performance. Die Musik spielt in Wahrheit natürlich die größte Rolle und umhüllt die ohnehin unfassbar romantische Liebesgeschichte Cash-Carter. Das ist aber auch nicht immer zum Vorteil des Films: Cashs Leben wirkt im Großen und Ganzen wie ein Rock’n’Roll-Märchen, aber will Rock’n’Roll denn märchenhaft sein? Ein bisschen Dreck gehört schließlich zum Geschäft…

Zwei Künstlerseelen, denen die Filmwelt komplett unterschiedliche Denkmäler gesetzt hat. Ich wüsste genau, an welchen Ort man mich im Jahre 1955 absetzen sollte: Genau vor das Aufnahmestudio von Sam Phillips mit der Neonschrift in den Fenstern. Da lasse mich als Sekretärin anheuern. Der Plan steht! Wer hat die Maschine?

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