Welcome To The Jungle – City of God und Viva Riva

City of God - DVD; ca. 15 EuroEs ist diese Woche mal wieder Zeit für einen Gang ins Kino, findet ihr nicht? Ich bin in letzter Zeit tatsächlich mal wieder häufiger dazu gekommen, die große Leinwand zu genießen und hab dabei wieder den Charme des kleinen, gammeligen Dorfkinos entdeckt. Denn genau dort entdecke ich meist die Filme, die mir ganz besonders in Erinnerung bleiben und ans Herz wachsen. Das kann an den Umständen des Kinoabends liegen (z.B. beim ersten Date) oder eben an dem Film selber, der einen ganz unerwartet in den Kinosessel drückt. Unerwartet deshalb, weil sich in den kleinsten Kinosälen die aufregendsten und exotischsten Geschichten verbergen können. Auf genau solche Filme möchte ich heute zu sprechen komme und dabei gleich noch einen Kinotipp für die Woche an euch weitergeben.

 Es gibt Geschichten, die kann nur derjenige erzählen, der weiß wovon er spricht. Nur durch die Augen und die Stimme des direkt Betroffenen überträgt sich das ganze Ausmaß des Erzählten. Genau das ist der Fall in der brasilianischen Produktion City of God des Regisseurs Fernando Meirelles. Die ganzen Wucht des Lebens in Rios Armenviertel trifft den Zuschauer durch Buscapés Sicht der Dinge, der das Chaos und die Gewalt um sich herum ganz gezielt wahrnimmt und extrahiert. Der brasilianische Junge möchte Fotograf werden und hat dementsprechend ein besonderes Auge für das Geschehen. Es ist unfassbar großartig wie viel Authentizität in Meirelles Charakterdarstellungen steckt. Die Figuren sind frei, desillusioniert und direkt – das ist es genau, was es eben braucht, um eine brasilianische Jugendgang im Drogenkrieg von Rio de Janeiro aufrichtig zu porträtieren. Man zweifelt in keinem Moment, obwohl man das gerne möchte. Im Film sind fast ausschließlich Laiendarsteller zu sehen, die die Verhältnisse genausten kennen, die sie schließlich im Film nachstellen. Das merkt auch das Publikum auf unangenehmste Weise. Die vier Nominierungen bei den Oscars 2004 sind da mehr als gerechtfertigt.

Keine großen Namen, dafür vergleichbar großes Kino gibt es ab heute (15. März) bei uns zu sehen. Kritikerstimmen ziehen ebenfalls direkte Parallele zwischen dem afrikanischen Gangsterfilm Viva Riva und City of God, dem ich mich nur anschließen kann. Von Rio geht es nach Kinshasa, der kongolesischen Hauptstadt mit pulsierendem Nachtleben. Der Kleinkriminelle Riva kehrt nach längerer Abwesenheit in seine Heimatstadt mit reichlich Geld in den Taschen zurück, das ausgegeben werden möchte. Selbstverständlich haben die Vorbesitzer damit ein Problem und heften sich an Rivas Fersen, der sich noch zusätzliche Probleme durch eine Liebelei mit der örtlichen Gangsterbraut einhandelt. Die Story verrät bereits, dass hier kein emotionales Charakter-Portrait in deViva Riva - DVDn Vordergrund rückt, das eine Ernsthaftigkeit auf den Plan ruft wie bei Mereilles. Nein, hier wird das Tempo deutlich angezogen. Damit gelingt es dem Filmemacher Djo Tunda wa Munga dennoch seine afrikanische Heimat und das Chaos von Kinshasa mit der Kamera festzuhalten, so dass die Kulisse zum eigentlichen Star des Films wird. Viva Riva durfte sich auch schon über eine Auszeichnung als Best African Movie bei den MTV Movie Awards 2011 freuen und war im Rahmen der Berlinale zu sehen.

Der afrikanische Kontinent genießt ohnehin zur Zeit die große Aufmerksamkeit der Internetgemeinde, dank eines gewissen Kony. Davon möchte ich mich hier eher distanzieren und stattdessen lieber anraten, den Kinobesuch dem youtube-Video vorzuziehen. Auch wenn ich mich wiederhole: Lassen wir lieber diejenigen ihre Geschichten erzählen, die wissen wovon sie reden.

[Wer Interesse daran hat, die Filme käuflich zu erwerben und damit gleichzeitig Frag das Kino… zu unterstützen, kann mit einem Klick auf die Bilder die Dvds über amazon bestellen. Ich sage vielmals Danke dafür!]
Advertisements
Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Ein Kommentar

  1. Ich hatte hier ja nun fast eine Kritik von „Welcome to the Jungle“ (= „The Rundown“) erwartet. „City of God“ hat mich bei der Sichtung damals auf jeden Fall sehr beeindruckt. Ein teils wirklich unbequemer Film.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: