Til The World Ends – The Book of Eli und I am Legend

The Book Of Eli, I Am Legend

Das Ende ist nah. Es gibt so Tage, an denen habe ich so gar nichts dagegen. Wenn man vollkommen in seinem persönlichen Sumpf aus Bürostress, Familienalltag und Freundeskreis versinkt, ist so ein kleiner Weltuntergang nicht unbedingt schlecht. Einfach mal alles wieder auf null setzen. Die Zivilisation ausradieren und dann wieder von vorne aufbauen. Ich schätze, das ist der Trotz des postmodernen Kindes. Selbstverständlich fällt auf mein Zurufen kein Meteorit vom Himmel oder eine tödliche Seuche bricht aus. Dafür gibt es ja la Cinema. Muss die Welt eben erst mal nur in meinem Keller ihr Ende finden.

Ich bin überzeugt von dem Aristotelischen Begriff der Katharsis und dessen damit verbunden Grundgedanken, dass die menschlichen Affekte und Leidenschaften vom Theater „gereinigt“ werden können. Wie genau das passieren soll, darüber wurde schon Jahrhunderte gestritten und ich will das auch nicht genau vertiefen, aber es gibt diesen einen Film, der das für mich uneingeschränkt leistet. The Book of Eli wurde 2010 von den Hughes Brothers in die Kinos gebracht und von mir erst auf DVD wahrgenommen. Was ich sehr bereue, denn diesen Film hätte ich wirklich gerne auf der großen Leinwand gesehen. Was Lars von Trier erst kürzlich mit Melancholia bewiesen hat, haben die Gebrüder Hughes auch schon vorgemacht: Die Apokalypse kann ein ästhetisches Meisterwerk sein. Der einsame Denzel Washington als Held in einer zerstörten und überbelichteten Einöde setzt den Grundton für das postapokalyptische Zeitalter. Viel mehr darf man zu der Handlung auch nicht verraten, jede zusätzliche Information mindert den ersten Eindruck. Werft keinen Blick auf die ohnehin immer grausam-schlechten Inhaltsangaben auf den DVD-Hüllen. Sonst könnt ihr gerade die ersten, phänomenalen 15 Minuten des Films nicht genießen. Alles Weitere, wie Gary Oldman in bester Bösewicht-Manier und die bezaubernd-nervige Mila Kunis, erklären sich dann schon von selbst.

Obwohl in The Book of Eli auch einige, schön gemachte Action-Sequenzen auftauchen, überwiegt doch der philosophische Tiefgang des Films. Es ist ein verhältnismäßig leiser Weltuntergang. Ich persönlich hätte aber auch nichts gegen einen pompösen Zombie-Menschenfresser-Metzel-Untergang. Das ganz aktuelle Non-Plus-Ultra der Zombie-Apokalypse ist ganz klar The Walking Dead, eine AMC-Serie mit Spitzenquoten in den USA. Und natürlich geben die Filme von George A. Romero den cineastischen Marsch vor, wenn es um Zombies geht. Allerdings sieht mein herbei phantasiertes Weltende auch eine gewisse Einsamkeit vor, einen Überlebenskampf den man mit sich selbst ausmachen muss. Keine Gruppe von Noch-Nicht-Infizierten, bei denen man dann immer Sorge haben muss, dass sie schon gebissen wurden. Die Apokalypse soll ein Ein-Mann-Theater sein, ohne diesen zwischenmenschlichen Firlefanz. Deshalb fällt meine Wahl auch auf I am Legend mit dem nach einem Virusausbruch, in Manhattan zurückgebliebenen Will Smith. Die Story glänzt mit ein paar wirklich netten Ideen und verliert erst mit dem Ende an Schwung. Ich mag sogar diese eigenwilligen Zombie-Vampir-Verschnitte, die das Leben für Will Smith besonders unangenehm machen. Man darf auch weiterhin gespannt sein, ob es noch eine Fortsetzung gibt, die Projektplanung läuft.

Nachdem die Menschheit hier zweimal von der Erde gewischt wurde und sich mühsam wieder vermehren muss, fühle auch ich, wie sich mein Seelenheil wieder herstellt. 210 Minuten fiktives Weltende reichen, um mich mit den bestehenden Verhältnissen wieder abzufinden. Wahrscheinlich braucht es gar keinen Meteorit, um die Menschen auszurotten. Es reicht bestimmt einfach das Internet abzustellen und die ersten Atombomben würden gezündet. Besser nicht ausprobieren…

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10 Kommentare

  1. Ich fand beide Filme recht unterhaltsam, wenngleich mir „I Am Legend“ letztendlich auch besser gefallen hat. Insgesamt gibt es aber weit gelungenere Endzeitfilme. Von „Mad Max“, bis hin zu „The Road“, der die düstere Ästhetik eines „The Book of Eli“ auf die Spitze treibt und auch inhaltlich zu überzeugen weiß.

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    • Ja, auf „The Road“ habe ich auch schon lange ein Auge geworfen. Sobald ich ihn gesehen habe, kann ich mich an der regen Diskussion zu deiner Rezension beteiligen. Wir teilen die Begeisterung für dieses Genre auf jeden Fall.

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  2. „The Book of Eli“ war mir ein wenig zu Religionslastig am Ende. Aber du hast Recht, der Look war phänomenal. „I Am Legend“ fand ich solide, weil ich aber diese Art von Grundkonzept „Last Man on Earth“ gerne sehe.

    Wenn ich dir einen Film empfehlen darf (falls du den noch nicht gesehen hast): „The Road“ – sowohl in Buch- als auch in Film-Form absolut grandios. Sehr düster, sehr gut.

    Antwort
    • Du darfst mir immer sehr gerne einen Film empfehlen und nachdem hier schon zweimal die Empfehlung zu „The Road“ ausgesprochen wurde, habe ich ihn schon auf meine amazon-Wunschliste gepackt.

      Antwort
  3. Kenne weder The Road, notch the Book of Eli. Da icy aber I am Legend such grandios fans, solute ich mir bride wohl mal ansehen. Hab sie mal auf meine Lovefilm Leihliste gepackt.
    Einen anderen Missstand werde ich am Wochenende ausbügeln. Kenne nicht einen einzigen Mad Max. Bin gespannt, ob der Kult darum gerecht ist!

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    • Hab gerade Bullions Rezession zu „The Road“ gelesen….. Ich werd ihn wohl wieder von der Liste nehmen. Ich glaube den ertrag ich nicht so leicht.

      Antwort
  4. Uh, da reihe ich mich doch direkt ein und empfehle als dritter die Sichtung von „The Road“ – und ja, heftig isser! Und zu „I am Legend“ wie auch „The Road“ möchte ich eine Empfehlung für das jeweilige Buch aussprechen, lohnenswert sind sie beide, „The Road“ aber natürlich ganz besonders, weil von Cormac McCarthy (No Country for old Men)!

    Auch fallen mir, aufgrund einer gewissen Endzeitfilm-Affinität noch „Babylon A. D.“ und „Children of Men“ ein.

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    • Das Buch zu „the road“ ist wirklich sehr gut.

      Also die Empfehlung zu „Children of Men“ kann ich unterstützen, die zu „Babylon A.D.“ allerdings nicht so richtig. Der Film ist zwar gut, wird aber in der zweiten Hälfte richtig großer Mist.

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  5. Ach ja, „Children of Men“ habe ich auch noch irgendwo hier liegen. Mein Chaos verschluckt gute Filme.
    Mit den Hinweis zu Cormac McCarthy bin ich jetzt total heiß auf das Buch. Meine Leseliste ist auch nicht so lang wie die Filmliste. „The Road“ wird dann ein Fall für „Erst lesen, dann gucken“.

    Antwort
    • Ein guter Plan! Und vor allem einer der seltenen Fälle, wo man (oder zumindest ich) nach Kenntnis des Buches nicht von dem Film enttäuscht wird, weil dieser die Atmosphäre und Stimmung, die Intention und die spürbare Bedrohung wirklich erstaunlich gut adaptiert und vor allem visualisiert (was ihn eben zu hartem Tobak macht, gerade wenn man ihn allein und des nächtens schaut und sich voll und ganz auf die Szenerie einlässt)

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