Ich Find Dich Scheiße – Good Night, and Good Luck und Die Queen

Good Night, and Good LuckIch selbst bin ja noch nicht sonderlich lange in der Social-Media-Welt unterwegs und habe erst kürzlich ein neues Wort gelernt: Shitstorm. Obwohl dieser Begriff offenbar inflationär im Web eingesetzt wird und sogar zum Anglizismus des Jahres 2011 erklärt wurde, bin ich erst jetzt durch einen Artikel in der enorm bewusst darauf aufmerksam geworden (Februar-Ausgabe 2012: Im Auge des Shit-Stürmchens). Im Prinzip wieder mal eine neue Form des Protestes und scheinbar auch recht wirkungsvoll. Massenbeleidigungen bis der Gegenüber einknickt, das Ganze dann noch medial etwas aufblasen und schon ist die Kacke am dampfen (oder eben am stürmen). Mir erschließt sich nur nicht so ganz, inwiefern das ein neues Phänomen sein soll. Nach eingehender Grübelei habe ich mal zwei Filme herausgesucht, die in meinen Augen ebenfalls waschechte, realgeschichtliche shitstorms zeigen.

George Clooney setzt sich bekanntlich sehr gerne in seinem Filmen mit politischen Brennpunkten auseinander, insbesondere seine Regiearbeiten zeigen da einen kleinen Schwerpunkt. 2005 hat er sich in Good Night, and Good Luck eine der wohl brisantesten Äras der U.S.-Politk  heraus gesucht und inszeniert die 50ziger Jahre unter dem Einfluss des Senators Joseph McCarthy eindrucksvoll in authentischer Schwarz-Weiss-Optik. Es wird die öffentliche Anprangerung des Fernsehjournalisten Edward R. Murrow nacherzählt, die schließlich 1954 den berüchtigen Kommunistenjäger McCarthy zu Fall brachte. Murrow war damit der erste Journalist, der das Medium TV nutze, um sich politisch einzumischen und einen Missstand öffentlich zu machen. Die Folgen seines Einsatzes können inzwischen auf jedem Fernsehsender der USA gesehen werden: Jede Nachrichtensendung vertritt eine deutliche politische Richtung. Was heute alltäglicher Medienrummel ist, hatte früher für großes Aufsehen gesorgt und ein überlautes Echo von den Zuschauern zur Folge. Clooney hat einen beeindruckenden Cast vor die Kamera gestellt, angeführt von David Strathairn in der Hauptrolle. Es ist besonders die schauspielerische Leistung, die den Film so sehenswert macht und die ganze Tragweite dieser Geschichte überzeugend an das Publikum  heran trägt.

Einer noch größeren Protestwelle musste sich 1997 das britische Staatsoberhaupt stellen, nachdem die Prinzessin von Wales überraschend verstorben war. Die Rede ist natürlich von der Der Queen und dem Moment, in dem ein shitstorm ihre Monarchie fast zum Einstürzen brachte. Regisseur Stephen Frears hat mit der wunderbaren Helen Mirren in der Titelrolle seine Elizabeth II. gefunden und den schwierigsten Moment ihrer Regentschaft nochmals mit sehr viel Tiefgang nachempfunden. Der Tod Dianas hatte damals die Welt kurzzeitig angehalten und in Trauer versinken lassen. Der Schock saß tief und die Queen reagierte ihrer Natur gemäß als Königin und nicht als trauernde (Ex-) Schwiegermutter. Ihr Volk strafte sie dafür hart; das Blumenmeer vor dem Buckingham Palace hatten eine ebenso unmissverDie Queenständliche Botschaft wie sie heute die facebook-Posts beinhalten. Der Film ist eine ausgewogene Darstellung der Ereignisse, Originalaufnahmen und -medienberichte bilden den Hintergrund vor dem sich der innere Konflikt der Protagonistin entwickeln kann. Frears nimmt der britischen Monarchin dabei niemals ihre Würde oder stellt sie blos. Vielmehr erlaubt er ihr eine fiktionale Annäherung an ihr Volk und damit vielleicht sogar die reale Aussöhnung  mit dem Kinopublikum.

Auch wenn es das Internet natürlich deutlich leichter macht seinen Protest vor allem auf öffentlicher Ebene Gehör zu verschaffen und noch dazu schnell zu organisieren, kann er auch ebenso leicht ignoriert werden. So ein shitstorm flaut auch ganz schnell mal wieder ab. Es mag vielleicht ein Server abschmieren, damit ist aber auch keinem geholfen. Das Kino und die Vergangenheit haben gezeigt, dass es fast immer etwas mehr Engagement braucht. Um es nochmal bildlich zu beschreiben: Die Kacke muss nicht nur dampfen, sie sollte auch stinken.

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2 Kommentare

  1. Good Night and Good Luck wollte ich auch schon immer mal sehen. Aber „The Queen“… dazu sage ich freiwillig „Nein, danke“. Interessiert mich überhaupt nicht, egal wie gut der Film auch sein mag.

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