Teenager In Love – Die Träumer und Was nützt die Liebe in Gedanken

Die Träumer, Was nützt die Liebe in GedankenWas weiß man schon von der Liebe, wenn man jung ist? Geschweige schon von Sex. Da sind Irrungen und Wirrungen einfach vorprogrammiert. Heutzutage leidet die Jugend an einer Überdosis Sexualität dank der medialen Hyperpräsenz. Als nachkommende Generationen der sexuellen Revolution sind Tabus kaum noch vorhanden, es gilt nur nicht schwanger zu werden oder sich was einzufangen. Nichtsdestotrotz gibt es noch einige Stolperfallen, die sich mit dem Erwachen der Hormone aufstellen. Hier sollen zwei Filme vorgestellt werden, die ganz besonders dramatische Fehltritte der jugendlichen Liebe zeigen und dabei direkt und sensibel zugleich sind.

Der Regisseur Bernardo Bertolucci hat bereits 1972 einen Skandal mit seinem Werk Der letzte Tango in Paris ausgelöst, in dem Marlon Brando und Maria Schneider in expliziten Sex-Szenen zu sehen sind. Insgesamt hat der Sex auch in tabuisierter Form einen festen Platz in Bertoluccis Gesamtwerk. In seinem letzten Spielfilm Die Träumer aus dem Jahre 2003 thematisiert er die Dreiecksbeziehung eines Amerikaners (Michael Pitt), eines Franzosen (Louis Garrel) und seiner Schwester (Eva Green). Alle drei Figuren verbindet zunächst die Liebe zum Kino und vor der Kulisse des Revolutionsjahres 1968 entdecken die drei Jugendlichen schließlich auch ihre Körper. Die Problematik bzw. die Brisanz liegt natürlich in der inzestuösen Beziehung zwischen den Geschwistern. Das Geschehen spielt sich auf engsten Raum, in der Wohnung des Geschwisterpaares, ab und es gibt tatsächlich nichts, was die verbotenen Liebesspiele stören könnte. Die Nähe zu den Figuren, die Bertolucci  trotz der konsequenten Nacktheit seiner Darsteller zulässt, generiert die Spannung, die den gesamten Film trägt. Als Zuschauer ist man gebannt, aber auch mehr als irritiert. Was ist denn blos los mit diesen Kinder?

Das fragt man sich auch bei Was nützt die Liebe in Gedanken.In der deutschen Produktion aus 2004 wird tatsächlich ein realhistorischer Stoff verarbeitet: Die Steglitzer Schülertragödie aus 1927. Es treffen im Rahmen dieses Films einige der wohl besten deutschen Schauspieler aufeinander: Daniel Brühl, August Diehl und Anna-Maria Mühe sind besonders herausragend. Auch hier ein ähnliches Szenario wie bei Bertolucci: Ein wohlhabendes Geschwisterpaar aus Berlin (A. Diehl und A.-M. Mühe) verbringt gemeinsam mit einem Schulfreund (D. Brühl) ein Wochenende auf dem Land. Das Beziehungsgeflecht wird erst schwierig als sich herausstellt, dass die Geschwister den gleichen Mann (Thure Lindhardt) lieben. Die Dramaturgie des Films nimmt das tragische Ende gleich vorweg. Denn die Freunde Diehl und Brühl beschließen, sich selbst und die Person, die ihnen die Liebe verwehrt hat, umzubringen. So unglaublich wie es sich hier liest, ist es auch. Die absolute Verwirrtheit und gleichzeitige Hilflosigkeit der jungen Generation wird in diesem Film noch weitaus deutlicher. Die sexuelle Orientierung scheint in alle Richtungen zu verlaufen und dabei alle Beteiligten vollkommen zu überfordern. Der Grund, warum sich die Handlung um die verwirrten Teenager nicht in tieftrauriger Romantik verliert, liegt darin, dass sich die Figuren nicht erklären müssen. Was passiert, passiert ohne zu viele oder auch nur die richtigen Worten dafür zu finden.

In diesem Sinne suche auch ich zum Abschluss keine großen Worte mehr, sondern lasse ein Zitat sprechen: Wir können die Jugend bedauern, wie sie ihre Bangigkeit für Idealismus hält, und das Alter, wie ihm vor stoischer Überlegenheit das Herz brechen will.*

*Franz Wedekind: Frühlings Erwachen.

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