Smooth Criminal – Sin Nombre und Tödliche Versprechen

Sin Nombre, Tödliche Versprechen

Die mitunter wohl größten Filmhelden sind an sich alles Verbrecher. Seit jeher sind Banditen, Ganoven und Gesetzlose der Inbegriff von Männlichkeit und Heroismus im Kino. Da erzähle ich keinem etwas Neues. Der Mythos der Mafia und des organisierten Verbrechens ist ganz klar durch die filmische Darstellung fest in den Köpfen des Publikums verankert. Jeder Kinogänger hat unmittelbar einen Charakter vor Augen: Marlon Brando, Al Pacino oder auch Jack Nicholson. Die legendären Gangsterbosse glänzen auf der Leinwand durch ein schier unergründbares Charisma, dem man sich nicht entziehen kann. Umso beeindruckender sind dahingehend Filme, denen es wiederum gelingt, diese Anziehungskraft zu durchbrechen und das kriminelle Wesen als das darzustellen, was es ist: böse und menschenverachtend. Hier soll auf zwei solcher Filme aus der jüngsten Zeit hingewiesen sein, die einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen haben.

An sich sollte es ja nicht so schwer sein, Mafiosos und Gangmitglieder sondergleichen als negativ darzustellen. Trotzdem erscheint es zumindest mir so, als ob das im Kino nicht sonderlich gerne gesehen wird. Gangster sind immer irgendwie coole Säue. Besonders wenn hinter Ihnen eine breit aufgestellte Organisation steht, derer sie angehören. In Sin Nombre wird die Mara Salvatrucha porträtiert, eine lateinamerikanische Jugendgang, die besonders in Mexiko anzutreffen ist. Die Handlung dreht sich um das Mara-Mitglied Caspar (oder auch Willy) und dessen Auf- und Abstieg im Gangwesen. Es soll hier nicht zu viel verraten werden, an sich bedarf die Geschichte keiner Einleitung. Nur so viel: Caspars Schicksal ist eindringlich. Ich selber habe den Film im Rahmen eines Uni-Seminars zum Thema Mexiko kennengelernt und wurde dort auch gleich mit einigen Hintergrundinfos dazu versorgt: Die Mara-Mitglieder erkennen sich (genau wie im nächsten Film) anhand ihrer Tätowierungen. So stehen die Tränen unter den Augen z.B. für getötete Opfer oder verstorbene Gangmitglieder. Vielleicht mal drauf achten…

Wie bereits erwähnt, bilden die Tattoos in den Filmen eine überdeutliche Gemeinsamkeit. Allerdings stehen sich hier sonst vor allem Gegensätze in Land und Kultur gegenüber. Der 2007 und damit zwei Jahre vor Sin Nombre erschienene Film Tödliche Versprechen – Eastern Promises gibt Einblick in die russische Bruderschaft Wory w Sakone, die als Teil der russischen Mafia in London agiert. Das Tagebuch einer minderjährigen, schwangeren Prostituiere bringt die Handlung ins Rollen und Naomi Watts als Krankenschwester in Berührung mit der kriminellen Vereinigung. Mit diesem Film schließe ich übrigens endlich meine Wissenslücke aus dem Media Monday #26 und habe jetzt auch ein Werk des Regisseurs David Cronenberg gesehen. Ich muss sagen, Cronenbergs Portrait des organisierten Verbrechens ist schon ein deutlich anderes Kaliber. Der Film ist an Intensität kaum zu überbieten. Allein die überragende Darbietung von Viggo Mortensen in der Rolle des Wor-Anwärters Nikolai macht mich als Zuschauer ganz benommen. Aber auch Armin Müller-Stahl und Vincent Cassel sind perfekt besetzt. Obwohl keiner von ihnen Russe ist. Im Prinzip haben wir hier einen Amerikaner, einen Deutschen und einen Franzosen, die allesamt Russen spielen. Dass dieser Umstand dem Film in keinerlei Hinsicht schadet, spricht eigentlich auch schon für sich.

Zum Schluss vielleicht noch eine letzte Warnung: Beide Filme sind keine leichte Kost. Ich habe mich immer komplett unvorbereitet darauf eingelassen und wusste davor weder von Maras noch von Wors irgendetwas. Danach war ich dann schon erst mal ziemlich bedient. Aber das ist eben auch das Großartige daran: Die Eindrücke lassen dich so schnell nicht mehr los.

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Ein Kommentar

  1. Eastern Promises ist ein großartiger Film. Bei der Tatsache, dass wirklich kein einziger Russe mitspielt, war mir anfangs auch etwas unwohl. aber wenn man den Film im Original guckt, fällt das echt nicht auf. Da haben die Sprachtrainer gute Arbeit geleistet 😉

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