„Ohne deren harten Kampf ich nicht hier wäre“* – Caramel und Frida

Caramel, FridaVergangenes Wochenende wurde erstmals der Friedensnobelpreis an drei Frauen verliehen – ein Ereignis, das ich tatsächlich sehr inspirierend fand. Normalerweise nehme ich nur am Rande Notiz von Nobelpreisträgern, vor allem nachdem Obama schier aus dem Nichts auch plötzlich einen davon bekam. Aber dieses Jahr empfand ich die Bilder der drei Preisträgerinnen, die mir in den Nachrichten entgegen strahlten, überaus positiv und richtig. Da machte einfach mal wieder etwas vollkommen Sinn. Diese Damen haben es verdient; die stehen da genau richtig am Rednerpult. Daher habe ich die Tage auch zwei Filme herausgesucht, die gleichermaßen starke und beeindruckende Frauen porträtieren. Dabei soll das hier aber kein Emma-Artikel werden. Keine Sorge, ich zähme die Alice Schwarzer in mir.

Eine besondere kleine Filmperle, die ich mir rausgesucht habe, ist Caramel. Ähnlich wie bei Chocolat schreit der Titel förmlich „Frauen-Film“. Aber von Kitsch und stereotyper Romantik sind wir hier weit entfernt. Die im Libanon angesiedelte Tragikomödie widmet sich einer Gruppe Frauen, in deren Zentrum die Hauptdarstellerin (und Regisseurin des Films) Nadine Labaki steht. Die weiblichen Figuren verbindet ein, durch die strikten Regeln einer religiös und männlich dominierten Gesellschaft vorgegebener Lebensstil, unter dem sie bestehen müssen. Dabei widmet sich der Film jedem seiner Charaktere mit sehr viel Hingabe und stellt sie auch in Momenten der Schwäche niemals bloß. Die Kamera bleibt immer sehr ruhig an ihrem Platz und drängt sich nicht auf: Der Blick von der anderen Straßenseiten ist manchmal intimer als jedes Close-Up. Deshalb wird es auch bei brisanten Themen niemals zu unangenehm. Labaki verhandelt die angesprochenen Problematiken mit Menschlichkeit und Wärme, zu politischen Botschaften lässt sie sich nicht hinreißen.

Ein deutlich kämpferisches Frauenportrait präsentiert Frida. Die Lebensgeschichte der mexikanischen Malerin und Volksheldin ist von Schicksalsschlägen und tragischer Liebe geprägt – perfektes Hollywood-Material also. Frida Kahlo ist aber nicht umsonst inzwischen so populär. Sie war nun mal eine Persönlichkeit ihrer Zeit, an der kein Vorbeikommen war. Salma Hayeks Darbietung hat allerdings mit Sicherheit maßgeblich zur jüngsten Ikonisierung der Malerin beigetragen. Doch abgesehen davon, glänzt der Film für mich auch durch seine liebevolle Darstellung der mexikanischen Kultur. Es ist nicht nur die geschickte Einflechtung von Kahlos Bildern selber, sondern es sind auch ihre Umwelt und kulturellen Wurzeln, die der Film entsprechend würdigt. Dabei ist vor allem der wunderbare Soundtrack zu erwähnen, der das Publikum durch die gesamte Handlung trägt.

Ihr habt es sicher gemerkt, diese beiden Werke haben mich vollends überzeugt und ich habe sie gerne zu dem aktuellen Anlass mal wieder raus gekramt. Für weitere Filmtipps zu diesem Thema bin ich immer offen: Hinterlasst mir gerne ein paar Anregungen, immerhin stehen bald die Feiertage an. Da ist wieder viiiieeeel Zeit zum Filme gucken.

* Zitat von Tawakkul Karman

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Ein Kommentar

  1. Mein liebster Frauenfilm (obwohl ich dieses Label hasse), ist wohl „Grüne Tomaten“. Er erzählt eine interessante Lebensgeschichte, ist voller Herz und sehr emotional. Dazu toll gespielt und inszeniert. Aber vermutlich kennst du ihn schon, da er auch nicht unbekannt ist.

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