Unbreak My Heart – High Fidelity und Soloalbum

High Fidelity, SoloalbumDas Titelthema des SZ-Magazins von diesem Wochenende ist Liebeskummer im Alter. Dazu kann ich persönlich jetzt nicht viel besteuern, aber es hat mich veranlasst darüber nachzudenken, welche Filme tatsächlich in der Lage sind Liebeskummer zu heilen. Denn in der Regel ist es nach meinem Empfinden absolut unmöglich mit gebrochenem Herzen eine vernünftige Filmauswahl zu treffen, die den Zustand nicht noch verschlimmert. Im Prinzip will man ja tragische Liebesgeschichten sehen, aber am Ende fühlt man sich keinen Deut besser. Wenn es dann doch noch ein unerwartetes Happy End gibt und sich die Beiden doch noch kriegen, überlegt man doch wieder ihn/sie anzurufen oder noch schlimmer: Man stalkt auf facebook. Social Media ist ohnehin absolutes Gift für anständige Trennungen. Deshalb sind hier zwei Filme, die jedem einsamen Herzen beistehen.

High Fidelity ist wirklich ein Film, der sein Publikum an die Hand nimmt und ihm sagt: Du bist nicht allein. Ich kann schon mal voraus schicken, dass ich das Buch von Nick Hornby nicht gelesen habe. Ebenso auch nicht die Vorlage von Benjamin von Stuckrad-Barre zu Soloalbum. Insofern kann ich (und will ich auch) nicht einschätzen, ob die literarischen Vorlagen besser sind. Ist mir auch wurscht. Die Verfilmung von Stephen Frears steht für sich und ist wunderbar. Wunderbar nah an seiner Hauptfigur und trotzdem nie kitschig. Ich finde es auch ganz großartig, dass Frears es seinem Protagonisten erlaubt, sich direkt an das Publikum zu wenden. So nah wie der Film an John Cusack ist, so nah ist John Cusack bei uns. Der leidet wirklich mit! Nach einer Trennung wird man nirgendwo so viel Beistand finden wie in diesem Plattenladen.

Eine der schönsten Szenen in High Fidelity ist definitiv der Dialog, der sich zwischen Cusack und Jack Black über das Wörtchen „noch“ entspinnt. Dieses Gespräch ist so schön, dass es der Regisseur Gregor Schnitzler es drei Jahre später direkt mal klaut. Bei Matthias Schweighöfer ist es das Wort „auch“, dass ihn zur Verzweiflung bringt. Ich verzeihe Soloalbum diese offensichtliche Anleihe. Die beiden Filme sind sich ohnehin extrem ähnlich: Typ wird verlassen und leidet wie die Hölle. Allerdings mit einem entscheidendem Unterschied: Matthias Schweighöfer leidet lustiger. Während im Plattenladen nur Jack Black mal für einen comical relief sorgt, ist Soloalbum von Klamauk durchzogen. Der Berliner geht mit Herzschmerz einfach deutlich extrovertierter um als der Verlassene aus Chicago. Aber an sich ist es genauso herzerwärmend, wenn einer ins das vermeintliche Auto des neuen Verehrers pisst, wie wenn sich einer nachts im strömenden Regen unters Fenster stellt.

Man könnte mir jetzt vorhalten, dass sich hier ja auch immer ein Happy End einstellt. Naja, mal ehrlich, was sollen die beiden Typen denn auch machen ohne ihre Mädels? Das wäre ja brutal, wenn diese traurigen Gestalten ganz auf sich gestellt sein müssten. Das kann doch keiner wollen. Deshalb immer stark bleiben und Finger weg vom Telefon! Immer dran denken: Keep on rockin!

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3 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Vergleich zweier Filme, die ich sehr mag, wenngleich „Soloalbum“ – nicht nur in dieser einen Szene – ziemlich geklaut ist, allerdings nicht von Regisseur zu Regisseur, sondern tatsächlich von Autor zu Autor, denn die Bücher kenne ich ebenfalls beide. Nichtsdestotrotz erspielt sich „Soloalbum“ genug Selbständigkeit, um überzeugen zu können und ja, insbesondere der Film ist lustiger (im Sinne von Klamauk) als sein „Vorbild“ – toll sind sie aber beide und wirklich ein guter Tipp für Leute mit Liebeskummer!

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  2. Danke für den Hinweis, dass es tatsächlich von Buch zu Buch geklaut ist. Vielleicht sollte ich die Bücher auch mal lesen…

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  3. Zumindest „High Fidelity“ kann ich nur empfehlen! „Soloalbum“ konnte mich als Buch nicht wirklich überzeugen, wenn es auch wirklich eins der besseren Werke von Stuckrad-Barre ist.

    Mag aber auch daran liegen, dass ich Nick Hornbys Bücher samt und sonders großartig finde und mit dem Herrn von Stuckrad-Barre kaum etwas anfangen kann – aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden!

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